Freitag, 4. Februar 2011

Zentralamerika


A life is made up of a great number of small incidents
and a small number of great ones.
Roald Dahl
 
Jetzt, da ich Zentralamerika langsam verlasse, möchte ich meine „kleine Anzahl großartiger Zwischenfälle“ zusammenfassen. 



Wenn ich an Mexico denke, erinnere ich mich als erstes an die Aufführung auf dem Zocalo in Mexico City, „Yo Mexico“ und die tolle Lichtershow. Ich denke an das tolle Straßenessen, was so gar nicht „mexikanisch“, wie ich es von zu Hause oder aus den USA her kannte, war. Ich erinnere mich an das mexikanische Wrestling und die heißen Männer in Masken mit den tollen Körpern, an Andre und unser wunderschönes Date, an die Sprachprobleme, die ich anfangs hatte (und nach über 2 Monaten noch immer habe), an mein erstes Zusammentreffen mit Julia und wie herzlich sie von Anfang an war, an unseren tollen Tourleader Chimi und an unsere Gespräche.
Ich erinnere mich gerne an die schöne Stadt Puebla, in der wir leider viel zu wenig Zeit hatten, an ein dramatisches Stück, welches wir uns in Spanisch anschauten und kein Wort verstanden, an getrocknete Heuschrecken die nach Limonen schmeckten und an meine unschöne Magen-Darm-Grippe, wegen der ich fast nichts von Oaxaca sah außer die Ruinen „Monte Alban“.  In Oaxaca stellte ich auch fest, dass ich meine Kreditkarte in Mexico verloren hatte. Mein Dad schickte mir eine neue nach Playa del Carmen nach!
In San Cristobal besuchten wir ein Maya-Dorf und probierten hausgemachte Tortillas. Ich erinnere mich auch an den unmöglichen Tourguide und daran, dass Chimi uns Salsa beibrachte. Ausserdem war es in San Cristobal sehr kalt (außer in der direkten Sonne, wegen der ich sogar einen leichten Sonnenbrand bekam). Jules und ich hatten dort und in Palenque ausschließlich kaltes Wasser zum Duschen, dafür war die Dschungelwanderung mit Gabriel und seine hausgemachte Schokolade sehr gut. In Palneque machten wir eine Nachtwanderung mit Chimi und ich hatte ein tolles Gespräch mit Rebecca, ausserdem sahen wir (und komischerweise nur wir) einen nackten Mann.
In Merida machten wir einen tollen Ausflug zu den „Cenotes“ und in einem „stilechten“ mexikanischen Restaurant wurden wir mit Sombreros und Gewehr zu Mexikanern.
In Playa del Carmen erwartete uns Sonne, Strand, Meer und mich ein Tauchkurs. Leider konnte ich nicht mit ins den tollen Club „Coco Bongo“.
Ich verbrachte dort 3 Tage mehr oder weniger allein und wir mussten uns von einigen Gruppenmitglieder verabschieden.


In Belize waren wir ein paar Tage auf der Insel Caye Caulker, hatten den besten Hummerbei Fran und den besten Schnorchelausflug (trotz schlechtem Wetter) auf einem Segelboot mit Raggaemuffin. Bei diesem Ausflug traf ich die Meeresschildkröte „Lucky“, die nach einem Haiangriffnur noch 3 Flossen hat.
Abends tranken wir viel zu viel Rumpunsch und Cuba Libre und Shell wurde zu Frida Kahlo.
In San Ignatio machten wir das unglaublich tolle und anstrengende Caving in den Cristal Caves – ungesichert und 5 Stunden lang.  Ausserdem hatten wir dort die besten hausgemachten Tortillas mit frischem Gemüse, Schinken und Käse IN der Höhle.
Von der Isla de Flores aus besuchten wir Tikal, wirklich tolle Maya-Ruinen mitten im Dschungel und wir sahen viele Klammer- und Brüllaffen, eine ganze Horde Nasenbären aber leider keinen Tukan.
Von dort aus gingen wir alle zusammen für die Waisenkinder, die wir von Rio Dulce aus besuchten, einkaufen. GAP stellte uns 500 US$ zur Verfügung um Notwendiges wie Zahnbürsten, Windeln, Milchpulver etc und Spielzeug zu kaufen. Auf der Heimfahrt sahen wir einen ganz schrecklichen Unfall, an den ich lieber nicht mehr denken will.
Der Besuch im Waisenhaus in Rio Dulce wird mir wohl für immer in Erinnerung  bleiben. Diese Kinder dort waren wirklich Zuckersüß und wie sie auf die Piñatas eingedroschen und sich auf die herausfallenden Bonbons gestürzt haben war einfach nur zum niederknien.
In Antigua hatten wir die beste Partynacht des gesamten Trips, obwohl das am Anfang gar nicht danach ausgesehen hat. Wir bekamen, nach einer Kette von Zufällen, eine Privatparty und der Besitzer der Bar gab einen Cuba Libre und Tequila Sunrise nach dem Anderen aus. Ich sag nur: come as strangers – leave as friends!
Die Fahrt am nächsten Tag zum Lake Atitlán war besonders anstrengend, denn wir hatten alle einen ziemlichen Kater. Wir waren eingepfercht zwischen den ganzen Einheimischen, mussten von einem Chickenbus in den nächsten wechseln und die Straße war sehr kurvig. Uns war allen hundeelend.
Was ich in Zentralamerika gelernt habe ist, dass ein Bus NIE zu voll ist. Für ein paar mehr ist immer Platz, und wenn man sich stapeln muss.  Ausserdem dröhnt in jedem Bus extrem laute, spanische Musik (oder Summer Love) und das nonstop.
Zu Weihnachten in Lake Atitlán gönnte ich mir Paragleiten über dem See und ein abartig gutes Steak zum Weihnachtsessen.  Ich werde wohl nie vergessen, wie mein Pilot und ich Weihnachtlieder über dem See gesungen haben und wie liebevoll er mit und über seiner Frau und seinem Sohn geredet hat. 


In Honduras waren wir auf der wunderschönen Inseln Roatán. Ich ging dort mehrmals Tauchen und ein Tauchspot war besser als der andere. Ich konnte mich nicht sattsehen an den ganzen Fischen und den vielen Meeresschildkröten. Dort hatte ich auch absolut leckere asiatische Nudeln in Noodle Shack. 
Wir verbrachten Silvester in Tegucigulpa, eigentlich ein Zwischenstopp aber für uns DIE Feier ins Jahr 2011. Es war wider Erwarten eine tolle Feier und ich begann das neue Jahr mit einem ausserordentlich spannend und erotisch (meine Eroberung sprach nämlich kein Wort Englisch und mein Spanisch war und ist immer noch übel!).
In Granada besuchte meine Zimmergenossin Jules mit mir das Krankenhaus denn sie war dehydriert und hatte eine Niereninfektion. Der Doktor meinte, ich sollte ihr 6 Tage lang eine Spritze in den Hintern geben und als ich ihm sagte, ich hätte das noch nie gemacht, zeigte er mir provisorisch wie das geht. Gott sei Dank übernahm Eli (eine Mitreisende in unserer Gruppe) das Spritzen… ich hätte das wohl nie hinbekommen.
Auf der Isla de Ometepe hatte ich den schlimmsten Tag meinen Lebens als ich einen inaktiven Vulkan bestieg. Ich will gar nicht weiter drauf eingehen, nur eins dazu : ICH HASSE VULKANE!!!
Costa Rica ist PURA VIDA (das pure Leben – lt. den Einheimischen zumindest). Für mich war es hauptsächlich teuer. In Monteverde machte ich einen Skywalk über dem Cloudforest und in La Fortuna verbrachte ich einen Tag in eine Hot Springs Anlage zum relaxen und ich machte Whitewater Rafting auf dem Rio Toro (dem „wilden Bullen“).
In San Jose hieß es Abschied nehmen von der Gruppe. Der Abschied von Jules viel mir am schwersten. Ich trage immer noch die super schönen Ohrringe, die sie mir geschenkt hat.



In Puerto Viejo hat es nur geregnet. Ich war dort mit Eli und Dave (eine Ehepaar aus England bzw Wales) und Hannah und Brian (zwei extrem lustige Freunde aus England). Wir haben in Hängematten geschlafen, viel Cuba Libre getrunken und Shithead gespielt. Trotz des Regens hatten wir eine tolle Zeit.

Nach Panama und Boca Brava bin ich mit Eli und Dave weitergezogen. Wir verbrachten 5 wunderschöne Tage auf der Insel, hatten absolut tolles Wetter, einen Traumstrand, eine atemberaubende Aussicht und viel Zeit für Romé und Shithead. Ausserdem lernten wir ein neues Dominospiel.

Nach Bocas del Toro bin ich dann zum ersten Mal seit langem alleine gefahren. Die Inseln sind nach meinem Ermessen überbewertet aber ich hatte eine tolle Zeit. Ich sah Delfine, die buntesten Korallen und ganz viele Seesterne. Ausserdem lernte ich 2 Holländer und 2 deutsche Mädels kennen und wir hatten eine Menge Spaß. Wir sahen ein Schwein am Seesternstrand und nannten es Edgar, ein wunderschöner Seestern heißt jetzt Jaqueline. Ich erinnere mich auch an vier kanadische Mädels, die sich „BFFF“ (= Best Fucking Friends Forever) auf ihre Finger tätowieren ließen. Ganz schön bescheuert….

Auf dem Weg zurück nach San Jose wurde ich übers Ohr gehauen und brauchte fast doppelt so lange für die Strecke wie vorgesehen, aber ich schaffte es trotzdem.

In Montezuma traf ich 2 sehr nette kanadische Mädels und wir verbrachten die Tag zusammen am Strand, sahen eine Affenfamilie auf dem Weg zum Montezuma Wasserfall und einen Wal und ihr Baby auf dem Weg zur Isla Tortuga.

In Santa Teresa mussten wir eine Stunde mit vollem Gepäck in der prallen Sonne nach einer Unterkunft suchen. Marie-Eve und ich ließen uns dort ein Tattoo stechen und wir waren beide sehr stolz darauf.


Zurück  in San Jose bin ich wieder alleine und auf dem Sprung nach LA, der Stadt der Engel, mein Zwischenstopp bevor ich endlich Indien erreiche.

Ich bin heute genau 3 Monte und 5 Tage auf reisen und ich habe es keine Minute bereut.
Dennoch muss ich gestehen, dass ich meine Familie und Freunde doch sehr vermisse. Ich hätte nie gedacht, dass die Sehnsucht so stark werden würde. Ich kann es nicht Heimweh nennen, denn dafür habe ich noch immer zu viel Fernweh, dafür bin ich zu neugierig auf alles, was noch vor mir liegt. Es ist eher eine starke Sehnsucht nach bekannten Gesichtern, einer Umarmung, Gespräche mit Menschen, die mich wirklich kennen… Das Gefühl ist nicht das Schönste und dennoch möchte ich es nicht missen. Es ist etwas sehr reales im surrealen Reisealltag und hilft mir, nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren!
Manche haben mich bereits gefragt, ob alles so ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich musste ein bisschen darüber nachdenken und meine Antwort ist: nein! Es ist weder besser noch schlechter als ich gedacht habe – es ist einfach anders.
Obwohl ich bereits viel über mich selbst gelernt habe (und manche Lektionen waren überraschend unschön, andere wiederum überraschend angenehm) habe ich das Gefühl, mich selbst im ganzen Reisestrudel eher zu verlieren als zu finden.
Im Großen und Ganzen denk ich sehr oft, dass ich ein verdammter Glückspilz bin, das alles erleben zu dürfen und hier und heute hier sitzen zu können.

Zum Abschluss möchte ich noch eines loswerden:


(Ihr wisst schon, wer gemeint ist!!!!)

Auf geht’s nach INDIEN!
 

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