Dienstag, 24. April 2012

Kambodscha –Land der 14.000.000 Lächeln



Das freundliche, offene und überschwängliche Lächeln, welches man auf jedem Gesicht in Kambodscha sehen kann, ist meine liebste Erinnerung an dieses kleine Land im Herzen Asiens.
Die Geschichte Kambodschas gibt eigentlich überhaupt keinen Grund zum Lachen. Zuerst wurde der Osten des Landes in den 70ern von Amerikanern bombardiert, da diese der Ansicht waren, es würden sich Vietnamesische Guerillas dort versteckt halten – tausende Zivilisten sterben.
Kurz darauf kommen die Roten Khmer unter ihrem Befehlshaber Pol Pot an die Macht und töten innerhalb von 4 Jahren 1-3 Millionen Kambodschaner (genaue Zahlen sind nirgends bekannt).
Was heute nach diesen schlimmen Kriegsjahren besonders auffällt ist zum einen, dass Kambodscha ein sehr „junges“ Land ist denn es gibt wegen der Roten Khmer Regierung kaum mehr alte Menschen und zum anderen die schier endlose Glückselig-, Freundlich- und Herzlichkeit der Einheimischen, die einem an jeder Ecke endgegensprüht.
Eine weitere Erkenntnis, welche ich in Kambodscha gewonnen habe, ist, dass man dort einfach alles isst. Man findet allerlei Innereinen (u.a. Magen, Herz, Leber, Lunge) in den beliebten Nudelsuppen, in den gulaschähnlichen Gerichten, die man auf einheimischen Märkten bekommt, wird vom Hühnerkopf oder –fuß bis zum Schweineohr alles verwertet (inklusive Sehnen, Knochen und Knorpel), es gibt Embryo-Eier, welche mit großen Genuss verspeist werden, gebratene Insekten und Schlangen, Froschschenkel, gegrillte und sehr pfeffrige Eier am Spieß, Schildkröten, salzige, gegrillte Bananen, getrockneten Fisch und Stinkfrucht um nur ein paar Beispiele zu nennen. Kulinarisch ist Kambodscha definitiv etwas für „Experimentierfreudige“, es finden sich aber auch ganz „normale“ Köstlichkeiten wie Khmer Curry, Amok (Fisch- oder Fleischcurry mit Kokosmilch im Bananenblatt gedämpft), gebratene Nudeln, Fisch-BBQ und (mein Favorit) frische Frühlingsrollen mit Salat, Kräutern und Glasnudeln. 



Früher dachte ich, dass Kambodscha nicht viel mehr zu bieten hat als den berühmten Angkor Wat, welchen wir gleich nach unserer Ankunft besichtigten.
Angkor… What?! 


Die Tempel von Angkor, allen voran der Angkor Wat, sind imposante Bauwerke die zwischen dem 9. und 15. Jahrhundert im großen Khmer-Reich von Gottkönigen erbaut wurden. Obwohl die Tempel heute buddhistisch sind, erkennt man ganz deutlich den früheren hinduistischen Einfluss.
Sie  befinden sich unweit von der schönen Stadt Siem Reap und von dort aus kann man die Tempel entweder mit dem Rad oder TukTuk besichtigen. 


Die Tempel von Angkor kann man kaum beschreiben, man muss sie gesehen haben und sie sind allemal eine Reise wert – vor allem Angkor Wat bei Sonnenaufgang, der Bayon, von dessen Türmen einen hunderte von selig lächelnden Gesichtern zu beobachten scheinen, und der Ta Phrom, ein Tempel der von der Natur zurück erobert wird. Viele der Bauwerke sind von riesigen Wurzeln umrankt und manchmal wächst ein Baum sogar auf einer Mauer oder einer Turmspitze.


Wir verbrachten insgesamt drei Tage mit der Besichtigung der riesigen Tempelanlage. Obwohl wir die oben genannten Highlights bereits am ersten Tag zu sehen bekamen, war jeder Tempel an sich etwas besonderes und es gab überall Schönes zu entdecken. Ich muss aber auch gestehen, dass ich nach einer Weile keine Lust mehr auf alte, zerfallene und ruinenartige Gebäude hatte. Viel zu dieser Unlust trug wahrscheinlich die allgegenwärtige brütende Hitze bei, die mich schwitzen ließ wie noch nie in meinem Leben.

Falls jemand mehr über den Angkor Wat erfahren möchte, hier ein Link zu einer von zahlreichen Dokumentationen über dieses Wunder der Menschheitsgeschichte:


http://www.youtube.com/watch?v=580Fw-u0zcE

Einer der schönsten Tempel, den ich jemals gesehen habe, war allerdings der Wat Bo in Siem Reap selbst. Das alte, wunderschöne Bauwerk ist umringt von Frangipani-Bäumen und Grabstupas und man kann sich gegen 17:30 die Gebetsgesänge der dort heimischen Mönche anhören.



Battambang war unser nächstes Ziel. Es wurde als charmante Stadt angepriesen, mit schönen, französischen Kolonialstylhäusern und vielen Ausflugsmöglichkeiten. Wir waren von der Stadt an sich recht enttäuscht, da sie sich weniger als charmant aber dafür als recht dreckig und staubig herausstellte. Wir hatten trotzdem sehr schöne Erlebnisse.
Wir machten einen tollen Kochkurs für 10$ bei einer Familie etwas außerhalb der Stadt. Der nette Familienvater ging zuerst mit uns auf dem lokalen Markt einkaufen, beantwortete unsere Fragen und kaufte uns sogar ein fermentiertes und in Asche gewälztes Ei, welches wir später zum Probieren bekamen – unsere ganz besonderes Osterei dass nach Stinkkäse schmeckte. 


Wir schnitten die Zutaten, schauten bei der Zubereitung der Currypaste zu, bastelten die Körbe aus Bananenblättern für das Amok und kochten unsere Gerichte selbst unter der Anleitung der netten Mutter (die leider kaum Englisch sprach – aber mit Händen und Füßen ging die Verständigung schon irgendwie). Das Essen war einfach köstlich und die Erfahrung Gold wert. 


Wir fuhren auch auf dem berühmten „Bamboo-Train“, einer Bahnlinie in sehr ländlicher Gegend, die zwei Dörfer miteinander verbindet. Der Zug selbst ist ein Bambusgerüst auf Rädern, welches bei Gegenverkehr kurzerhand abgebaut, von den Schienen getragen und nach passieren des voller beladenen Zuges wieder aufgebaut wird. Die Fahrt war überraschenderweise sehr rasant und machte viel Spaß. Im anderen Dorf wurde gerade eine Hochzeit gefeiert, was der Tour noch den letzten Schliff gab.
Später besuchten wir einen Tempel auf einem Berg und die „Killing Caves“, in denen während der Roten Khmer Regierung einige tausend Menschen starben. Heute ist dort ein Schrein aufgebaut und man kann die Totenköpfe der Opfer sehen.
Zum Abschluss der Tour durften wir ein besonderes Naturschauspiel bewundern: kurz nach Sonnenuntergang strömten tausende und abertausende Fruchtfledermäuse aus einer Höhle direkt über unseren Köpfen. Wir beobachteten das Spektakel ca. 30 Minuten und der Strom riss keine Sekunde ab.

Ein Dreh- und Angelpunkt in Kambodscha ist natürlich seine große, laute, verkehrsreise, verwirrende und staubige Hauptstadt Phnom Penh, die wir hauptsächlich wegen des Königspalastes, der Silberpagoda, dem Wat Phnom, welcher auf dem höchsten Punkt der Stadt thront (ganze 27 m), und des Toul Sleng Genocide Museum (auch S-21 genannt) besuchten. Das S-21 war früher eine Schule und wurde während der Roten Khmer Regierung als Gefängnis genutzt. Das Gefängnis ist vergleichbar mit den KZ’s der Nazis. Unser Besuch dort war sehr lehrreich was die Geschichte des Landes angeht, aber auch erschütternd und berührend. Man lernt durch Bilder und Verhörunterlangen der Gefangen über die Schicksale von Einzelnen und mir wurde einmal mehr bewusst, wie nah Macht und Wahnsinn zusammen liegen. 


Die vier Jahre der Terrorregierung von Pol Pot haben das Land fast in die Knie gezwungen und beinahe wäre das gesamte Land ausgerottet worden. Jeder, der nicht so handelte oder dachte wie es sich die Roten Khmer einbildeten oder nicht das tat, was von ihm verlangt wurde oder sich beschwerte, von seiner Familie getrennt zu werden um auf dem Land schwere Arbeit zu leisten (die Menschen wurden mehr oder weniger versklavt – auch Frauen und Kinder) wurde kurzerhand getötet. Eine Terrorregierung unter dem Deckmantel der Demokratie – ein schwerer Schlag für die Menschen dieser Generation, der tiefe Wunden bei den Überlebenden hinterlassen hat – aber auch eine neue Chance für eine sehr „junges“ Land und seine besonders lebensfrohen Bewohnern.

Eine sehr informative Dokumentation zum Thema S-21 gibt es hier:



Sihanoukville, ein Ort am kurzen Küstenabschnitt Kambodschas, besuchten wir zum Asiatischen Neujahr. Zu diesem Anlass zog es viele Einheimische sowie Vietnamesen, Koreaner und westliche Touristen an den Strand, es wurde viel gegessen und gefeiert, es gab jeden Abend eine Wasser- und Puderschlacht und es gingen nicht nur viele Feuerwerke in die Höhe sondern auch die Preise für Unterkünfte. Der Standabschnitt Serendipity, der in den Ochheuteal Stand übergeht, ist definitiv kein Paradies, versprüht aber einen ganz besonderen Charme, der vielleicht erst bei genauerem Hinsehen ersichtlich wird. Der Strand ist übersät von Liegen und Korbstühlen, die man „umsonst“ den ganzen Tag nutzen kann wenn man ein Getränk im dazugehörigen Restaurant bestellt. Die „Strandweiber“, welche die obligatorischen Massagen und Maniküren etc anbieten, sind die angenehmsten und freundlichsten, die mir je begegnet sind, in jedem Restaurant kann man auch selbst mitgebrachte (bzw am Strand gekaufte) Speisen verzehren (ganz Khmer-Art), abends gibt es leckere Fisch- oder Meeresfrucht-BBQ’s für wenig Geld und die Alkoholpreise sind unschlagbar günstig.
Ich hab mich zumindest für unter 8$ so richtig abgeschossen! 


Leider ist der Strandabschnitt auch eine Hochburg des Sextourismus. Kambodscha ist berühmt-berüchtigt für seine Kinderprostitution und ein manches Mal musste ich mich ernsthaft fragen, ob die süße kleine dort am Tisch gegenüber, die sich so leichtfertig an den Hals des viel älteren Herren wirft, auch wirklich schon volljährig ist.
Auch die Armut der Einwohner wird einem hier unverblümt unter die Nase gehalten. Ganze Familien schlafen auf der Straße, während die Touristen total betrunken auf dem Weg vom Strand in ihre Unterkunft an ihnen vorüber torkeln. Der Strand ist bevölkert von kleinen Kindern, meist nicht viel älter als 4 oder 5 Jahre, die Plastikflaschen und Dosen bis spät in die Nacht sammeln oder Kleinigkeiten wie Kekse oder Armbänder verkaufen. Viele Kinder tragen viel zu große oder zu kleine Kleidung und bettelten auch oft nach „Jamjam“ (Essen). 


Merkwürdiger Weise habe ich mich sehr schnell an diesen „Makel“ der Strandidylle gewöhnt. Das lag wohl daran, dass die Leute trotz allem sehr fröhlich waren und immer lächelten, lächelten, lächelten.

Wir machten nach ein paar Tagen am Strand einen schönen Ausflug mit dem Boot. Der Schnorchelausflug ist leider nicht sehr erwähnenswert, da man dank des trüben Wassers überhaupt nichts sah, aber der Stopp auf einer Insel mit langem, unberührtem Sandstrand machte das wieder wett. 


Wir schlossen uns einer Dschungelwanderung über die Insel an, welche in dem sumpfigen und stinkigen Wasser der Mangroven endete. Diese Mangrovenwanderung war für mich das Highlight des Trips, bin ich doch zuvor nur durch Mangrovenwälder gefahren aber noch die gelaufen (oder gewatet).


Mein Reisebegleiter und guter Freund Michi machte auf dem Boot seine ganz eigene Erfahrung mit dem „Schnorcheltest“ und trank 6 Gläser Bier auf ex. Später wackelte das Boot ganz fürchterlich und ihm wurde ein bisschen schlecht, ansonsten verkraftete er seinen Schnorcheltest um einiges besser als ich damals.

Der letzte Stopp unserer Reise durch Kambodscha war Krati (gesprochen Kratiiiiii oder Krate oder Kratschi oder Krotscheiiii – sehr verwirrend) – wieder eine angeblich charmante, in Wahrheit aber überaus verdreckte, kleine Stadt am Mekong. 


Berühmt ist dieser Ort wegen den seltenen Irrawaddy-Süßwasserdelfinen, welche man ganz in der Nähe beobachten kann. Wir sahen während unserer 1-stündigen Bootstour mindestens 10 dieser walartigen Tümmler ganz in der Nähe des Bootes. 


Anschließend verbrachten wir die heißen Mittagsstunden in sowas wie einem „Freibad“ an einer Stromschnelle des Mekong inmitten von Einheimischen in einer Hängematte. 



Meiner Meinung nach hat das Land viel mehr zu bieten als „nur“ den Angkor Wat und ich bin überaus froh, dort gereist zu sein. Ich denke, dass man von den Einheimischen in Sachen Frohsinn und Leichtigkeit des Seins noch so einiges lernen kann und ich war sicher nicht zum letzten Mal dort aber nun heißt es erstmal Abschied nehmen.

Lee-a hou-ee Kambodschea
Sabai di Lao


Donnerstag, 5. April 2012

„INDAH INDONESIA“


„INDAH INDONESIA“
oder
„Meine vier Meilensteine in Indonesien“



Meilenstein # 1: Mein Reise-Jahrestag

Am 26.10.2011 war ich genau ein Jahr auf Reisen. Diesen Tag verbrachte ich in einem Bus von Yogyakarta zum Mt. Bromo, einem noch aktiven Vulkan im Osten Javas. Die Fahrt dauerte den ganzen Tag und dort oben war es angenehm kühl – um nicht zu sagen kalt – im Vergleich zu der brütenden Hitze im Tiefland.
Leider hatte ich am nächsten Morgen überhaupt kein Glück: vom Aussichtspunkt, den wir um 5 Uhr morgens erklettern mussten um den atemberaubenden Sonnenaufgang über Mt. Bromo erleben zu können, war bis auf eine dicke Wolkendecke nichts zu sehen! 
Dem noch aktiven Mt. Bromo konnte man dafür später bis in den rauchigen Krater gucken! Das war ein Erlebnis, das ich wirklich nicht missen möchte. 



Meilenstein # 2: Mein zweiter Geburtstag auf Reisen

Meinen 27ten Geburtstag verbrachte ich mit Torill auf Bali. Torill hatte ich vor genau einem Jahr bei meiner ersten Tour in Amerika kennen gelernt und wir verstanden uns auf  Anhieb. Ein Jahr später trafen wir uns wieder – am anderen Ende der Welt.
Wir waren an meinem Geburtstag in Ubud, einer wunderschönen Stadt in Inland Balis. Ubud ist sowas wie die Kulturhauptstadt der Insel: es gibt viele traditionelle Shows, eine Menge Tempel und Museen mit alten Gemälden, es finden Yogakurse in Reisfeldern statt, an jeder Ecke wird der Bioanbau gepriesen, man kann Wanderungen oder Radtouren durch die umliegenden Reisfelder unternehmen und wer weder auf Kultur noch Spiritualität noch körperliche Ertüchtigung steht, kann sich in einer der vielen Bars, beim Shopping oder im Monkeyforest vergnügen.
Ubud bietet für jeden etwas und wir verbrachten mehrere Tage an diesem wunderbaren Ort.
An meinem Geburtstag unternahmen wir einen tollen Tagesausflug zu mehreren Tempel um Ubud herum , zu einem See mit 2 Vulkanen und zu einer gigantischen Reisterrasse (mein persönliches Highlight des Tages). Abends bekam ich sogar ein Stück Geburtstagskuchen.  Es war ein wundervoller 2ter Geburtstag auf Reisen!



Meilenstein # 3: Mein erster richtiger Job als Divemaster

Kurz vor Ausreise aus Indonesien bekam ich einen Job als Divemaster bei Diveconcepts in Tulamben angeboten. Darum flog ich nur kurz nach Kuala Lumpur um mein Visum für Indonesien zu verlängern und gleich wieder zurück nach Bali um meinen Job anzutreten.
Tulamben ist ein verschlafenes Dorf im Norden Balis am Fuße des Mt. Agung und ist am bekanntesten wegen dem Schiffwrack „USAT Liberty“, welches vor über 60 Jahren nur einige Meter vom Strand entfernt gesunken ist. 
Die Arbeit dort machte sehr viel Spaß, ich machte in der kurzen Zeit dort über 60 Tauchgänge und sah fast täglich einen oder mehrere Schwarzspitzen Riffhaie, die sich jeden Morgen am Strandabschnitt direkt vor unserer Türe tummelten.
Obwohl es dort nicht sehr viele Tauchplätze gibt, machte jeder Tauchgang aufs Neue sehr viel Spaß und war immer anders. Die Unterwasserwelt ist außerordentlich vielfältig und manche Tauchstellen erinnerten mich an das Riff bei „Findet Nemo“. 


Vor allem das Wrack war bei jedem Tauchgang anders und je nach Tageszeit, Lichtverhältnissen und Wetter änderte sich das Aussehen des versunkenen Schiffes und dessen Bewohner.
Vor allem die Nachttauchgänge machten mir dort endlich Spaß – nein – ich liebte sie sogar! Am schönsten war der Nachttauchgang bei Vollmond, bei dem wir zuerst einen blutroten Mondaufganng bewundern konnten und anschließend keine Taschenlampen brauchten, denn der volle Mond beleuchtete das Wrack.

Durch die Arbeit bei Diveconcepts durfte ich auch einen indonesischen Hochzeit miterleben, denn der Sohn des Besitzers des Hauses, in dem ich lebte, feierte Hochzeit und die ganze Belegschaft war eingeladen . Ich wurde sogar in ein indonesisches Kleid gezwängt, dass mir aber viel zu klein war.



Die Arbeit dort hatte aber auch Schattenseiten: da ich meist vier, manchmal fünf Tauchgänge am Tag machte, bekam ich ganz schlimme Blasen an den Fersen, die durch die viele Arbeit und die ständige Feuchtigkeit nicht heilen konnten. Außerdem bekam ich ein schmerzhaftes  Schwimmerohr und hätte eigentlich gar nicht tauchen gehen können, machte es aber trotzdem – und das war überaus unangenehm.



Meilenstein # 4: Heimatbesuch

Kurz vor Weihnachten habe ich erfahren, dass meine Oma gestorben ist. Ich brach sofort alle meine Zelte ab, kündigte den Job als Divemaster und buchte den nächsten Flug nach Hause, denn ich wollte unbedingt bei der Beerdigung dabei sein.
Außerdem konnte ich Weihnachten und Silvester im Kreise meiner Lieben verbringen, meine Familie und Freunde wiedersehen und die Infektion, die ich durch die Blasen an den Fersen bekommen hatte, auskurieren.
Eigentlich wollte ich nur einen oder zwei Monat/e in Deutschland bleiben . Es wurden am Ende aber  3 Monate, denn kurz nach dem Tod meiner Oma ist auch noch mein Opa gestorben.



Ich bin über jeden dieser Meilensteine sehr glücklich, vor allem über den Heimatbesuch, denn ich hatte meine Familie und Freunde nach fast 14 Monaten auf Reisen schon sehr vermisst und es war toll, alle wiederzusehen. 


Ich hatte wunderschöne aber auch recht schmerzhafte und harte Zeiten in Deutschland aber alles in allem bin ich überglücklich, den Schritt nach Hause unternommen zu haben.

Ich möchte meiner Familie und meinen Freunden für die tolle Zeit zu Hause danken! Ihr habt meinen Aufenthalt zu etwas ganz besonderem gemacht! 
Vor allem bin ich froh zu wissen, dass ich immer nach Hause kommen kann, egal was ist und egal wo ich bin! 


Es gibt allerdings noch einen Meilenstein #5... auf diesen möchte ich aber gar nicht zu sehr eingehen,  denn es ist alles noch so neu und frisch und unsicher…
Sicher ist aber, dass ich einen ganz wunderbaren Mann auf Bali kennen gelernt habe, ich habe einige wunderbare Tage mit ihm verbracht, ihn ein paar Mal in Deutschland getroffen und ich werde mit ihm in kurzer Zeit ein paar Monate auf Reisen gehen… alles weitere wird sich zeigen ;)

Und weiter geht es in 7 Meilenstiefeln immer der Nase nach zu neuen Abenteuern in Südostasien.
  
Viele Grüße vom anderen Ende des Regenbogens!
Eure Reisemulle



Freitag, 28. Oktober 2011

Singapur




Nach dem Retreat verbrachte ich ein paar schöne, sehr relaxte Tage mit Miecke, einer Belgierin die ich dort kennengelernt hatte, auf meiner persönlichen Lieblingsinsel Thailands: Koh Lanta. Von dort aus zog ich weiter nach Singapur. Dafür musste ich zuerst mit einem Minibus nach Trang. Dort stieg ich in einen weiteren Minibus zu einem Busbahnhof außerhalb von Trang und stieg dort wieder um in einem Minibus nach Hat Yai. In Hat Yai hatte ich ein paar Stunden Aufenthalt. In dieser Zeit gönnte ich mir mein Lieblings Thaiessen und eine Thai-Massage. Gestärkt und entspannt stieg ich in einen „VIP“-Bus, der mich über Nacht von Thailand über Malaysia nach Singapur brachte.
Nach insgesamt 26 Stunden kam ich in Singapur an.


Dort zog ich in ein Hostel in „Little India“, ein, wie der Name schon sagt, sehr indisches Viertel. Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass es sich dabei wirklich um ein kleines Indien in Singapur handelt. Es gibt dort alles, was ich von meinem Aufenthalt in Indien her kenne, vor allem aber  viele Inder und  indisches Essen. Was mich etwas irritiert hat war, dass es dort nur ganz wenige rein vegetarische Restaurants gibt und auf dem bekannten Essensmarkt gab es überhaupt kein vegetarisches Gericht. Dafür ist in Indien selbst kaum Fleisch aufzutreiben. Diese Inder schaffen es doch immer wieder, mich zu überraschen…


Von Little India aus erkundete ich die Stadt, die wirklich die mit Abstand am besten Entwickelte ist, die ich bisher in Asien besucht habe. Sie ist modern, es ist unglaublich sauber, der Verkehr ist gut geregelt, es gibt keine Tuk Tuks oder Richshaws o.ä. dafür aber ein ganz tolles öffentliches Verkehrsnetzt und vor allem sehr viele Einkaufszentren.  Ich hatte das Gefühl, dass einkaufen eine Art Volkssport in Singapur ist.
Singapur ist auch bekannt für seine sehr günstigen Elektronischen Geräte. Vor allem Digitalkameras kann man dort zu einem Spottpreis ergattern.
Alles in allem spürt man in Singapur den westlichen Einfluss enorm (vor allem an den recht hohen Preisen) und doch kommt manchmal die Kultur der Einwanderer aus hauptsächlich China, Malaysia und Indien durch. 


Mein Erkundungstour führte mich z.B. nach Bugis Village, ein reines Shoppingviertel, in dessen Straßen es überall nach Stinkfrucht– eine Spezialität in vielen asiatischen Ländern -„duftet“  da sie auf der Straße geschnitten und verkauft wird . Mir dreht es bei dem Geruch (und auch beim Geschmack) den Magen um. 


In Chinatown wimmelt es nur so von Chinesen und Touristen. Es gibt eine Einkaufsstraße in der jeder Schnickschnack unter die Leute gebracht wird – hauptsächlich importierte Ware aus China natürlich. Merkwürdiger Weise findet sich dort auch ein sehr kitschiger Hindu-Tempel, den man eher in Little India erwarten würde. Dort wiederum kann man in einer Moschee gen Mekka beten. 


In der Arab Street riecht es nach Shishas und gegrilltem Fleisch und man fühlt sich gleich in den Orient zurückversetzt. Diese Straße war mir am liebsten, vor allem wegen dem leckeren Dattelshake und frischem Pfefferminztee. Dort traf ich mich auch mit Thomas, einem Allgäuer der in Singapur lebt und den ich vor über einem Jahr kennen gelernt habe als er seinem Kumpel half meinen Schrank abzuholen, den dieser über Ebay ersteigert hatte.







Meine Erkundungstour führte mich auch in die Orchard Road – die Leopoldstraße Singapurs. Dort reiht sich ein Einkaufszentrum an das nächste. Ich verirrte mich in eines, in dem ich eine Indoor Kletteranlage und einen Lustgarten auf dem Dach fand. 


Von diesem aus hat man einen ganz wunderbaren Blick auf Marina Bay und das Marina Bay Sand. Von diesem aus habe ich auch die Aussicht über Singapur genossen. Auf beiden Dächern fing es kurz nach meiner Ankunft an zu regnen und Singapur versank im Nebel. 


 Ich besuchte das SAM (Singapore Art Museum), in dem gerade eine Ausstellung von Hyung Koo Kang zu bewunder war.



Koo Kang hat sich auf Portraits spezialisiert und malt neben sich selbst seine Lieblingsmaler, prominente und ganz gewöhnliche Leute – manchmal skurril, manchmal Lebensecht, manchmal auf Leinwand, manchmal auf Aluminium aber immer sehr groß!


Im SAM 2 gab es noch andere Ausstellungen. Am meisten gefiel mir die Installation „Karaoke im Badezimmer“ in welcher die Besucher in einem Badezimmer entweder unter der Dusche, auf der Toilette  oder vor dem Spiegel  am Waschbecken Karaoke singen, aufnehmen und ins Internet stellen können.


Das absolutes Highlight meines Aufenthaltes in Singapur war mein Besuch im Zoo und Night Safari.
Ich verbrachte einen ganzen Tag in diesem wunderschönen Zoo, der wie ein Regenwald gestaltet ist. 


Ich wurde von ganz niedlichen Lisztaffen begrüßt, die ohne Gitter oder Glaswand in den Ästen eines Baumes umhersprangen. Weiter ging es zu den Ottern, den Kleinkantschils, Riesenschildkröten und Komodowaranen. Die Orang-Utans turnten über unseren Köpfen in den Bäumen,  die anderen Affenarten wie Paviane, Schimpansen und die seltenen Nasenaffen waren auch zum greifen nah. 


Die Flughunde flatterten in einem geschlossenen Gehege, durch das man laufen kann, um uns herum und labten sich an den leckeren Wassermelonen und die Lemuren erschreckten ein paar Schulkinder.
Ich besuchte die Shows „Der Regenwald schlägt zurück“, in der einige Affen über uns auf Seilen entlangliefen und ab und zu ein kleines Geschenk fallen ließen und „Asiatische Elefanten beim Arbeiten und Spielen“, bei der gezeigt wird, wie stark, gewandt, intelligent und feinfühlig Elefanten wirklich sind. 


Es gab auch Weiße Tiger, Löwen, Giraffen und Zebras, Leo- und Geparden, Tapire, Nashörner, Zwerg-Nilpferde, Kängurus, Kasuare, Seelöwen, Pinguine, einen Orchideen- und Exotengarten mit vielen verschiedenen, asiatischen Pflanzen, Früchten und Gemüsearten, ein Kinderreich mit Streichelzoo und vieles mehr. Ich entdeckte ganz viele mir bisher unbekannte Tierarten. Am meisten freute ich mich als ich die Tierchen entdeckte, die ich so niedlich finde obwohl sie die meisten Menschen anwidern und ich schon immer mal in echt sehen wollte: die Nacktmullen! 


Ich verbrachte bestimmt eine Stunde damit, diese süßen, „faltigen Würstchen mit Zähnen“ beim kuscheln, schlafen, fressen und buddeln zu beobachten. Leider hatte ich meine Reisemulle nicht dabei, ich hätte sie gerne mit ihren Artgenossen bekannt gemacht…

Am Abend ging ich dann in die benachbarte Anlage zur Nachtsafari, bei der alle nachtaktiven  Bewohner des Zoos erst von einem „Zug“ aus und dann zu Fuß zu bewundern waren. Vor allem der große Tiger war sehr aktiv und streifte wie wild in seinem Gehege umher. Auch die Otter waren ganz aufgeregt und quietschten sehr laut. Man sagte mir, das liegt am Regen, der manchen Tieren ganz viel Freude macht – kein Wunder bei dem tropisch-heißen Klima (Singapur liegt ja fast am Äquator).


Meine letzte Überraschung in Singapur erlebte ich dann am Flughafen: dort gibt es neben einem Kino, Fußmassagesesseln und freiem Internetzugang über im ganzen Abflugbereich bereitgestellte Computer einen Schmetterlingsgarten!
Singapore Changi Airport ist mit Abstand der tollste Flughafen, von dem ich jemals abgeflogen bin!

Und wie ich hier sitze und über meine vier kurzen Tage in Singapur nachdenke kann ich euch schon ganz herzlich aus Bali/Indonesien grüßen.