Donnerstag, 16. Juni 2011

Nepal Teil 2: Klosterleben



In a perfect secluded place, a mountain hermitage,
Everything one does is good!



Nach 4 Tagen in Nepals Hauptstadt flog ich mit einer winzigen Maschine nach Phablu in den Solu Khumbu. Sonam begleitete mich durch das Durcheinander am Flughafen und ich schaffte es irgendwie in den richtigen Flieger zu steigen. In der Maschine hatten etwa 20 Personen Platz und  es gab trotzdem eine Flugbegleiterin die Wattebällchen und Bonbons verteilte. 


Die Aussicht war gigantisch – die Landung sehr holprig und abenteuerlich.
In Phaplu wurde ich von einem Freund von Sonam abgeholt und wartete auf meinen Porter. Der arme Kerl musste meinen 16 Kilo Backpack über 4 Stunden lang nach Serlo schleppen. Ich selbst schleppte meinen 7 Kilo Daypack, und dieser war mir bereits zu schwer. 



In Phablu probierte ich allerdings den ersten von vielen Buttertees. Dieser Tee wird in einem speziellen Gerät aus (Yak)Butter, Salz und Wasser gemixt und schmeckt – naja – gewöhnungsbedürftig?!
Ich erfuhr später, dass wir einen längeren und steileren Weg nach Serlo gelaufen sind - besonders am Ende, als wir eine steile Wiese erklommen kam ich mir vor wie eine Bergziege und war am Ende meiner Kräfte. Wie der Porter es schaffte, mit dem schweren Backpack da hoch zu kommen weiß ich nicht. 


Unterwegs kamen wir durch einige kleine Dörfer und ich stellte fest, dass die Sherpas schwere Lasten an einem Gurt befestigen, den sie sich dann über die Stirn legen.
Irgendwann entdeckte ich einen laufenden Heuhaufen, der sich als Frau entpuppte, die unter dem ganzen Heu, dass sie trug, gar nicht zu erkennen war.


In Serlo  angekommen bekam ich zuerst ein tolles Zimmer mit fantastischem Ausblick auf Mount Numbur, einen Milchtee und eine einigermaßen warme Dusche. 


Serlo ist allerdings ein Tibetisch-Buddhistisches Lehrkloster.
Ich lernte Ria und Roger (ein älteres Ehepaar aus Australien) und Eberhard (ein waschechter Hippie, Deutsch-Schweizer, Professor und extrem intelligenter Mann) kennen. Die 80 Mönche (die meisten davon sind zwischen 10 (oder jünger) und 19 Jahre alt) lernte ich auch nach und nach kennen, aber deren Namen werde ich mir wohl nie merken.
Rinpoche sah ich erst zum Abendessen.
Ria ist eine echte Englischlehrerin für Hauptschüler in Rente und ich schaute mir bei ich ab, wie man unterrichtet.
Die jungen Mönche sind wirklich sehr lieb und absolut wohlerzogen, ihr Englisch ist allerdings unterdurchschnittlich und es ist harte Arbeit, ihnen die Sprache beizubringen. Ria versucht  es auf die spielerische Art und lässt sie auch am Anfang der Stunde ein paar Spiele spielen. Leider verstehen sie die Regeln für die meisten spiele nicht. Gemeinsam schafften wir es aber,  ihnen ein paar  neue Spiele zu erklären.

Das  Essen wird von den Mönchen auf einer typisch nepalischen Kochstelle zubereitet. 


Es sind einfach Mahlzeiten und auch nicht sehr nahrhaft aber sie machen satt und sind meistens aus recht lecker.  Ich hatte aber fast immer nach ein paar Stunden wieder einen Bärenhunger.
Morgens gab es Pfannenkuchen oder Apfelkuchen (der aber eher Apfelschmalzgebäck war), Tsampa (das traditionelle tibetische Frühstück aus gerösteter Gerste oder anderem Getreide und Milchtee), eine andere Getreideart die ein bisschen wie Haferflocken aussieht und schmeckt (auch mit Milchtee), Gemüsekuchen (auch da wieder eher Schmalzgebäck) oder Fried Rice.
Mittags gab es eigentlich immer Daal Bhaat (Daal = Linsen und Bhaat = Reis) mit Kartoffeln, (manchmal zum Reis und manchmal in der Suppe, die man dazu isst). Ab und zu gab es auch ein Spinat-, Karotten- oder Selleriegemüse dazu. Daal Bhaat ist das typische Essen in Nepal und wird mindestens ein Mal täglich verzehrt.
 Abends gab es mal Eintopf mit Bohnen, Linsen, Kartoffeln, Mais und ein klein bisschen Gemüse oder Nudelsuppe (eig. Nudeln in Wasser mit ein bisschen Gemüse), Momos und Suppe, Sherpa-Stew, Kartoffelpfannkuchen mit Butter und Salz, Chowmein (gebraten Nudeln) oder eine Art Tsampa mit Wasser gemischt und dazu eine Kräutersuppe (und das ganze schmeckt wirklich total fad).
Die Hauptnahrung hier im Solu Khumbu ist definitiv Reis und Kartoffeln, Kartoffeln und Reis und noch mehr Reis und Kartoffeln.


An meinem zweiten Tag im Kloster hatten die Mönchen keinen Unterricht, weil sie Holz schleppen mussten und Ria, Roger und ich gingen zusammen in ein 2 Stunden Fußmarsch entferntes Kloster in dem hauptsächlich tibetische Nonnen leben. Es heißt Thubten Choeling. Die Nonnen schenkten uns viele Bonbons und gaben uns ein gebäckähnliches Teilchen zu essen, dass irgendwie merkwürdig süßlich aber trotzdem nach saurer Milch schmeckte und die Konsistenz von Parmesan hatte. 


Danach nahmen wir an einer Puja für einen alten, kürzlich verstorbenen Mann, teil und bekamen wieder Buttertee.  Da der Buttertee für die Nepalis wie Gold ist (denn Butter ist rar und teuer) habe ich ihn höflichkeitshalber ausgetrunken.
Die verstorbenen werden 21Tage im Haus behalten. So lange braucht ihre Seele um den richtigen Weg zu finden. Danach wird die Leiche zeremoniell verbrannt.
Wir besuchten auch einen Arzt in der Krankenstation Nahe Junbesi und kehrten schließlich Fuß in das Namaste Guesthouse ein, in dem wir Pommes , Käse-Momos und Snickerpie hatten. Nach dem recht eintönigen Essen im Kloster wirklich eine Gaumenfreude. 


Junbesi ist nur 20 Minuten von Serlo entfernt, der Weg nach oben ist aber recht steil.
Straßen gibt es hier weit und breit nicht, ich erfuhr, dass kranke entweder zur Krankenstation oder, wenn ihnen dort nicht geholfen werden kann, nach Phaplu getragen werden, um von dort aus mit dem Flugzeug nach Kathmandu ins Krankenhaus transportiert zu werden.

Nachdem ich 10 Tagen in Serlo war kam Martin, ein weiterer Volunteer von medihimal, an. Wir sollten die Mönche zusammen unterrichten und die Patenkinder von medihimal besuchen.
Martin kommt zufälligerweise aus Augsburg, ist 27 Jahre alt, hat gerade sein Lehramtstudium  beendet, war vor Nepal auch in Indien und ist ein sehr umgänglicher Mensch. Wir verstanden uns auf Anhieb.

Randbemerkung: 

Ich stelle täglich aufs Neue fest, dass Nepal für mich ein einziges „über-meinen-eigenen-Schatten-springen“ ist, aber auf eine sehr angenehme Art und Weise. Ich trinke immer noch nicht gerne aber dennoch Butter-Tee wenn er mir angeboten wird, ich esse Reis mit Kartoffeln (und finde es überhaupt nicht so schlimm) und aus Fett ausgebackene Apfelkuchen, ich mache bei diesen merkwürdigen, für mich sinn- und bedeutungslosen, Glaubensriten mit (u.a. Mantras beten oder von einem hohen Lama gesegnet werden), ich lasse auch mal eine Dusche ausfallen wenn das Wasser einfach zu Eiskalt ist zum Duschen und wechsel vielleicht nur alle 2 Tage meine Socken weil alle nass auf der Leine hängen.

Obwohl ich alle Mönche sehr lieb gewonnen habe (vor allem die kleinen) habe ich mich doch mit Rinchhein von Anfang an am besten verstanden. Ich habe mich bei keinem so wohl gefühlt, manchmal hatte ich sogar das Gefühl, dass wir uns schon Jahrelang kennen. Wegen ihm hatte ich immer das Gefühl, zu Hause zu sein. Wir redeten manchmal stundenlang nach dem Abendessen, entweder draußen oder in seinem oder meinem Zimmer.
Während des Dumji und auch Vajra Gurus hat er sich grundsätzlich rührend um mich gekümmert, hat sich bemüht, mir alle meine Fragen so gut es geht zu beantworten etc.
Umso mehr ich über Buddhismus und Reinkarnation lernte könnte ich mir sogar vorstellen, dass wir uns aus einem früheren Leben her kennen. Aber das ist jetzt vielleicht ein bisschen weit hergeholt. Ich habe in ihm jedenfalls einen wunderbaren neuen Freund gefunden. 


Nepal Teil 1: Erste Schritte


Thus shall you think of all this fleeting world,
A star at dawn, a bubble in stream,
A flash of lightning in a summer cloud,
A flickering lamp, a phantom and a dream
 
 Namaste und tashi delek everyone!

 
Erstmal: ich bin undendlich froh aus Indien raus zu sein. Nepal ist großartig... wie man so sagt: same same but different ;)
Auf dem Flug nach Kathmandu habe ich Shannon, eine TTC Teilnehmerin aus dem Ashram in Indien, getroffen. Wir sind nach Ankunft zusammen nach Thamel  (das Touristenviertel Kathmandu‘s) gefahren und haben uns dort ein Zimmer geteilt. Gleich nach der Ankunft tranken wir ein Bier auf Nepal. Leider ging es für Shannon gleich am nächsten Tag weiter nach Pokhara, von wo aus sie eine Trekkingtour machte.  


Ich war von Kathmandu total begeistert, es gab einfach alles was das Touristenherz begehrt (sogar Brezen in der  „Weizen“ –Bäckerei). Mir gefiel es um einiges besser als Indien, vor allem weil die Leute so viel freundlicher sind und es lange nicht so unerträglich heiß war. Ich glaube, man kann das angeblich dreckige, laute und schreckliche Kathmandu nur so richtig schätzen, wenn man vorher in Indien war!
Ich habe mit schnellstmöglich mit Pema Tarchhen Lama, dem Rinpoche des Klosters, in dem ich die nächsten 2 Monate verbringen würde, in Verbindung gesetzt. Er wusste zwar nichts davon, dass ich komme, hat sich aber trotzdem darum gekümmert, dass ich nach Serlo in den Solu Khumbu kommen kann.
Sein Verwandter, Sonam Sherpa, hat mir ein Flugticket besorgt. Leiderdauerte das Ganze ein wenig, aber ich hatte damit überhaupt kein Problem.  Ich habe während der Wartezeit Kathmandu erkundet, ich war mit einem nette Nepali, der mich auf dem Weg aufgegabelt hat, beim „Affentempel“ oder Swayambhunath, ich lernte, dass man um Stupas und Gompas immer im Uhrzeigersinn herumläuft und dass es sowas wie Gebetsräder gibt.


Ich machte eine Walkingtour von Thamel zum Durbar Square und fand dort auch Kamasutratempel und einen 8-jährigen der geraucht und um Schokolade gebettelt hat.


In Kathmandu entdeckte ich auch meine Liebe zu Momos (mit Fleisch und/oder Gemüse gefüllte und gedämpfte Teigtaschen – ein traditionell nepalesisches Geiricht).
Auf meinen Erkundungstouren  kam ich an vielen der Tempel (Gompas) vorbei, die in ganz Kathmandu verstreut sind. Diese machen das Stadtbild wirklich aussergewönlich.


Ich ging 2 mal in den Garden of Dreams und genoss die Ruhe und die Sonne. 


Montag, 25. April 2011

Incredible !ndia - ein Résumé




It is not for him to pride himself who loveth his own country,
but rather for him who loveth the whole world.
The earth is but one country, and mankind its citizens.

Ich bin jetzt seit 6 Monaten auf Weltreise und lebe meinen großen Traum. Ich habe bisher zehn Länder bereist und davon ein Land im besonderen, nämlich Indien „überlebt“. 
Ich muss sagen, dass Indien die bisher größte Herausforderung für mich war. Am Anfang habe ich nie verstanden, warum manche Menschen das Land so sehr lieben und andere es so sehr hassen. Dazwischen gibt es einfach nichts. Nun, nach fast 3 Monaten in „Incredible !ndia“, verstehe ich viel besser und ich schließe mich der „Ich-Hasse-Indien“-Fraktion an. Ich hätte nie gedacht, dass ich in einem Land so sehr an meine eigenen Grenzen stoße, dass mich ein Land so auslaugt und seelisch wie moralisch fertig macht. Natürlich gibt es in Indien nicht nur Schattenseiten, es hat auch wunderschöne, sonnige (und viel zu heiße) Seiten, leider haben für mich die Schattenseiten überwogen und mich dazu bewogen NEIN zu sagen. NEIN zur indischen Regierung und den Regierungsbeamten, zu Alkoholverbot und Spießigkeit; NEIN zu dem ganzen Dreck, dem Dauergehupe, dem Verkehr (obwohl sich das, was sich auf Indiens Straßen abspielt, eigentlich nicht „Verkehr schimpfen darf), NEIN zum Hinduismus, zu aufdringlichen indischen Männern, zu Varanasi, Leichen und Burning Ghats; NEIN zu Müll und Kuhfladen, Bettlern, Kranken und Toten auf den Straßen, zu dreckigen Flüssen und Stränden, zu nervigen Händlern, Abzockern und unnatürlich langen Zugfahrten (vor allem in General Department); NEIN zu Indern, die mich anstarren, die Fotos von mir machen, mich betatschen oder Sex wollen. Ich sage NEIN zu den Schattenseiten Indiens und versuche, sie so in Erinnerung zu behalten, wie sie waren: überdurchschnittlich fürchterlich. Dafür hat mich das Reisen in diesem Land der Gegensätze sehr stark gemacht und ich bin stolz auf mich selbst, alle Hürden alleine gemeistert zu haben.
Ich möchte allerdings auch die wirklich sonnigen Seiten des Landes preisen. Allen voran war wohl das Essen das Beste an Indien dicht gefolgt von den Andamanen und deren Unterwasserwelt. Ich möchte auch meine indischen Freunde Noopur, Ramesh, Pragyesh und Padmini nicht vergessen. Es sind wirklich unglaublich liebe Leute und ich kann mich glücklich schätzen, sie zu kennen. Das Leben im Ashram war bis auf ein paar winzige Kleinigkeiten auch toll und eine Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte. Außerdem ist die Landschaft (teilweise) sowie die Tier- und Pflanzenwelt wirklich wunderschön. Natürlich war die Zeit mit meinen Freunden aus der Heimat, Julchen und Michi, fantastisch wenn auch anstrengend für uns alle. Trotz dem Kulturschock, den abenteuerlichen Auto- und Busfahrten, den Abzockern und unterdurchschnittlichen Unterkünften hatten wir eine tolle Zeit mit ein paar tollen Erlebnisse und vor allem UNS! Mein Ausflug in die Wüste Indiens auf meinem trotteligen Kamel war auch eines meiner schönsten Erlebnisse in Indien. Nicht zu vergessen der Taj Mahal, Inbegriff wahrer Liebe und in meinen Augen das schönste Bauwerk der Welt und ungeschlagenes Highlight jedes Indienaufenthaltes. Agra dagegen sollte mal lieber ganz schnell vergessen, ich finde, diese Stadt ist eine einzige, große Müllhalde und die zweitschlimmste Stadt Indiens (nach Varanasi).


Indien hat mich sehr stark gemacht und ich habe gelernt, die schönen Kleinigkeiten des Lebens zu erkennen und zu schätzen. Ich weiß noch, wie sehr ich mich gefreut habe, als ein Auto-Rikshaw-Fahrer einmal ganz von sich aus seinen Zähler angemacht hat – ohne bitten und betteln und abzockerei. Ich erinnere mich auch an den netten Hotelbesitzer in Khajuraho, der sich so aufopfernd um mich gekümmert hat, als ich mit böser Magen-Darm-Grippe aus Varanasi bei ihm angekommen bin; und an Delboy, den nette Mitarbeiter der Reisegesellschaft in Jaiselmer, der sich meiner angenommen hat als ich bis 11 Uhr nachts auf meinen Zug warten musste, mich zu sich einlud und sein Essen mit mir teilte.
Auch die ganzen lieben Menschen wie die Leute im Ashram, der nette Kellner in Goa, der Junge aus dem General Department und meine Tauchbuddy’s von den Andamanen haben meinen Aufenthalt in Indien sehr bereichert und ich bin froh, sie alle kennen gelernt zu haben.

Das alles, das Gute sowie das Schlechten, habe ich erleben müssen. Vor drei Monaten hatte ich noch das Gefühl, mich eher zu verlieren als zu finden. Jetzt, nach fast 3 Monaten Indien und 6 Monaten auf Weltreise, bin ich meiner Selbstfindung schon ein ganzes Stück näher gekommen. Ich kenne mich selbst jetzt viel besser, höre mehr auf meinen Körper, mein Geist ist ruhiger und ich bin bestimmter als vorher. Ich weiß jetzt schon eher, wer ich bin und was ich will. Außerdem hat sich meine Menschenkenntnis und mein Urteilsvermögen sehr verbessert. Ich musste oftmals über meinen eigenen Schatten springen und Dinge tun, die ich früher nie gemacht hätte. Ich bin härter geworden, mein Durchsetzungsvermögen hat sich auch verbessert sowie meine Kompromissbereitschaft und Toleranz und das war auch bitter nötig, um in Indien zu überleben. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass ich meine Fröhlich- und Herzlichkeit, meine Offenheit, meinen Charme und Sinn für Humor komplett verliere. Ich habe das alles nicht nur wieder, es ist sogar noch ausgeprägter als vorher.

Grundsätzlich muss ich Indien wohl danken und ich will niemanden abschrecken noch möchte ich jemandem abraten, in dieses Land der Gegensätze zu kommen.
Jeder wird dort seine eigenen Erfahrungen sammeln, seine eigenen kleinen Episoden erleben, an seine persönlichen Grenzen stoßen und es entweder lieben oder hassen.

Für mich ist dieses Kapitel jedoch abgeschlossen und ich freue mich auf neue Abenteuer in 
 Nepal

Und noch was: Ich möchte auf diesem Weg allen meinen Lieben zu Hause danken, die mich auf meiner Weltreise so unterstützen.
Ich glaube, vielen ist auch gar nicht bewusst, wie sehr mich die E-Mails und Nachrichten von zu Hause mit ihren Geschichten und alltäglichen großen und kleinen Problemen aufbauen und mir helfen, den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren. Ich bitte euch, hört nicht auf damit! ICH BRAUCHE EUCH! Auch wenn ich weit weg bin möchte ich dennoch an eurem Leben teilhaben – so wie ihr durch diese Blogeinträge an meinem teilhabt!

Ich habe euch alle sehr lieb und vermisse euch unendlich!
(Ihr wisst schon, wer gemeint ist!)


Samstag, 23. April 2011

Khajuraho und Delhi

City of Kamasutra in Stone… 


Im Zug traf ich eine Südkoreanerin, mit der ich mich darüber unterhielt, wie sehr wir beide Indien „hassen“. Die Zeit verflog und sie lenkte mich gut von meiner Übelkeit ab. In der Nacht bekam ich aber nochmal ein paar böse Fieberschübe und konnte kaum schlafen. Ich war froh, als wir in Kajuraho ankamen und ich mich in meinem Hotelzimmer auskurieren konnte. Ich schlief eigentlich den ganzen Tag. Als es im Zimmer zu heiß wurde ging ich in die Lobby, trank eine Cola und schaute Bollywoodfilme auf Hindi mit einem Angestellten. Als es mir abends immer noch nicht besser ging, versuchte mir der überaus hilfsbereite Hotelbesitzer durch Meditation zu helfen aber als er merkte, dass ich sogar zu schwach dafür war, ließ er mir Elektrolyten von der Apotheke kommen und gab mir ein starkes Fiebermittel.
Zusammen beobachteten wir tausende von Papageien, die den Abendhimmel bedeckten. Die Luft war fast  stellenlos grün von den vielen Vögeln und es ging zu wie auf einer belebten, indischen Straße. Mit diesem Bild ging ich in meiner Zimmer und versuchte zu schlafen. Leider gelang es mir erst spät nachts, als es ein bisschen abkühlte.
Nach ein paar Stunden Schlaf ging es mir erheblich besser und ich startete endlich meine Sightseeing-Tour. Die Westgruppe der Tempel in Khajuraho sind ein UNESCO-Welterbe und am schönsten bei Sonnenaufgang. Ich stand punkt 6 Uhr morgens vor dem Eingang der Anlage und zu meiner Freude war an diesem Tag Weltkulturtag; somit war der Eintritt frei. 

 
Die Tempel waren wunderschön und leuchteten gelblich in Licht der aufgehenden Sonne. Das besondere an den Tempeln sind die Figuren und deren „Stellungen“, die in den Stein eingelassen sind. 


 Durch diese Kamasutrastellungen in Stein sind die Temple berühmt geworden und es ist wirklich sehenswert. Nach so langer Zeit im prüden Indien trieb mir der Anblick aber schon fast die Schamesröte ins Gesicht. 


Später am Tag sah ich mir noch die östlichen und südlichen Tempel an. Leider waren diese schon fast langweilig, da komplett Kamasutrafrei. Dafür fand ich in einem Jain-Telmpel ein paar nackte Gottheiten. 


Khajuraho selbst ist seit ein paar Jahren unterteilt in das „alte Dorf“ und das „Touristendorf“, welches für indische Standards überaus modern und sauber ist. Das alte Dorf dagegen ist wie jedes andere Dorf auch. Ich diskutierte mit dem Hotelbesitzer darüber, ob  es gut ist, dass Khajuraho nun, durch den neuen Bahnhof und das Dorf, so touristisch ausgelegt ist und immer mehr Touristen anlockt. Natürlich wirkt es sich extrem auf die Einheimischen aus, es wird jeglicher Krimskrams verkauft und die Straßenhändler werden in ein paar Jahren mindestens genauso nervig sein wie in Agra. Ausserdem heizt es den Konkurrenzkampf an und somit ist das friedliche Miteinander gefährdet.
Wenn man ein noch ruhiges, einigermaßen authentisches Khajuraho sehen will muss man sich also beeilen.


Zurück in Delhi mit guten Freunden

Ich kam mit einiger Verspätung in Delhi an. Zu meiner großen Überraschung und Freude war Pragyesh noch nicht in Abu Dhabi sondern wartete in Delhi auf sein Visum. Somit verbrachten wir meine letzten 3 Tag in Indien zusammen. Nach meiner Ankunft gingen wir Bowlen, ins Kino und aßen mit Noopur und Ramesh zu Abend. Am nächsten Tag trafen wir Tobi, einen Freund aus dem Ashram der gerade auch zufällig in Delhi war, und machten alle zusammen eine kleine Sightseeingtor.


Wir sahen „Humayun’s Tomb“, ein wunderschönes Grabmal welches fast wie der Taj Mahal aussieht und den Lotustempel, in dem wir 10 Minuten meditierten. 


Abends trafen wir Jasmin, eine Freundin aus dem Ashram, die in Delhi wohnt, und gingen zusammen in ein für indische Verhältnisse stinkteures Drehrestaurant mit wunderschönem Ausblick auf Delhi's „Skyline“. 


An meinem letzten Tag in Indien traf ich mich nochmal mit Jasmin und Tobi im Main Bazar, der Touristenstraße in Delhi. Wir fanden ein tolles Café mit echtem Cappuchino und  Sandwich mit Gouda! Ich schwebte auf Wolke 7. Danach traf ich mich mit Pragyesh in Gurgaon in einer Mall, wir gingen nochmal ins Kino, ins „Kingdom auf Dreams“ (ein künstliches Indien in Indien) und abends mit Noopur und Ramesh in eines der besten Restaurants, in denen ich bisher gegessen habe: Not just Parathas! Ich liebe Parathas und das Essen war der perfekte Abschluss meines Indienaufenthaltes. 



Am 22.4.2011 verließ ich Increbible !ndia voller Vorfreude  und mit zwei lachenden Augen. Ich werde Indien wohl nicht vermissen, aber ich bin froh, die ganzen guten wie auch schlechten Erfahrungen gemacht zu haben.



Und was ist der Titel vom nächsten Kapitel meiner Reise?

NEPAL

Freitag, 22. April 2011

Varanasi

oder
Kashi – Stadt des Lebens



Die heilige Stadt Varanasi, Geburtsstätte Shiva’s, wo Leben und Tod nur Zentimeter voneinander getrennt scheinen, ist ein richtiges Drecksloch. Es war unglaublich drückend heiß, die wirklich sehr engen, unübersichtlichen Gassen der alten Stadt  waren voll von Menschen, Kühen, Ziegen, Affen und deren Exkrementen, Müll und Ungeziefer.  Sich zu verlaufen ist eigentlich unvermeidlich.



Um das bekannteste „Ghat“, das Manikarnika- oder Burning Ghat, zu finden, muss man eigentlich nur einer der zahlreichen Bahren folgen, auf denen tote Körper zum verbrennen am Ganges getragen werden. Die Toten werden zuerst im Fluss gebadet und dann auf einen Holzstapel gelegt. Die Art des Holzes ist eine Geld- und somit Kastenangelegenheit. Umso feiner das Holz, desto teurer die Verbrennung.  Das Holz wird auf altertümlichen Waagen gewogen und berechnet. 

 
Mir wurde gesagt, dass eine günstige Verbrennung ca. 4000 Rps (also ca 65 Euro) kostet. Eine Verbrennung der ersten Kaste kostet bis zu  10 Mal so viel, da dafür das kostbare Sandelholz verwendet wird.
Der Holzstapel wird mit dem heiligen Feuer, dass angeblich seit tausenden von Jahren ununterbrochen brennt, angezündet. Dies übernimmt der nächste, männliche Angehörige, der sich vorher Haare und Bart rasieren lassen muss.
Es heißt, dass die Toten, die hier in Varanasi am Ganges verbrannt werden, sofort ins Nirvana einziehen. Daher finden hier täglich 300 bis 400 Verbrennungen statt. Fotografieren ist an den Burning Ghats strengstens verboten und ich kann auch verstehen, wieso.

 
Trotz der Verbrennung in aller Öffentlichkeit ist es doch ein sehr intimes Ritual. Ich habe noch nie in meinem Leben eine Leiche gesehen, an diesem Tag sah ich unzählige. In den vielen Feuern, die jeweils 2,5 bis 3 Std. brennen, konnte man meistens noch die Gliedmaßen ausmachen. Die Luft ist erfüllt von Asche und der Rauch brennt in den Augen.
Die Toten, die eines „unnatürlichen Todes“ wie zB von einem Kobrabiß, gestorben sind, dürfen nicht verbrannt werden und landen im Fluss.
Etwas weiter oben kann man viele Menschen beobachten, die sich im Ganges baden und beten. An fast jedem der vielen Ghats werden Pujas zelebriert, bevor man in den Ganges steigt. Der Ganges selbst ist voll von Booten mit schaulustigen Touristen, verwelkten Blumenketten und Müll. 


Ich habe mir das Treiben auch von einem Boot aus angeschaut und eine Kerze in einem Rosenbett auf dem Ganges schwimmen lassen. Davor durfte ich mir etwas wünschen und es heißt, dass die „Mutter“ (Ganga) dafür sorgt, dass er in Erfüllung geht. 

 
In Varanasi traf ich allerdings Gil, meinen Tauchbuddy von den Andamanen, und seine Freunde.
Ich blieb nur eine Nacht in der „Stadt des Lebens“ (welch Ironie) und in diese Nacht wurde ich krank.
Da habe ich es geschafft, 2 ½ Monate in Indien ohne Durchfall oder sonstigen Krankheiten zu reisen und zum Schluss erwischt es mich doch. Ich habe aber erfahren, dass fast jeder in Varanasi krank wird – mich wundert das ganz und gar nicht.
Am nächsten Tag stand mir eine 12-stündige Nachtzugfahrt nach Khajuraho mit eckligen Plumpsklos bevor und ich spielte mit dem Gedanken, einfach in Varanasi zu bleiben. Diesen verwarf ich aber ganz schnell wieder und quälte mich trotz Fieber, Übelkeit und Schmerzen durch die engen, dreckigen Gassen in ein Tuktuk, welches mich zum Bahnhof brachte und von dort in den überraschend leeren aber brüten heißen Zug, in dem ich nach Khajuraho fuhr.