Freitag, 22. April 2011

Zurück auf dem Festland


Kolkata

In Kolkata fuhr ich vom Flughafen aus mit irgendeinem Bus Richtung Stadt. Ich hatte keine Ahnung wo ich war und wo ich hin wollte. Im Bus entschied ich, dass ich es mal mit der Parkstreet Gegend probieren möchte und versuchte herauszufinden, ob der Bus wenigsten in die Nähe fuhr aber der Busfahrer verstand mich nicht und die Mitfahrer sagten mir wenn überhaupt immer was anderes. Irgendwann entdeckte ich einen Metrostopp und sprang vom anfahrenden  Bus. Ich fand die Parkstreet und ein Hotel mit einem sauberen Zimmer und Fernseher (wenn auch ohne Fenster). Kolkata,die zweitgrößte Stadt Indiens, ist unbeschreiblich. Obwohl ich jetzt schon einige Zeit in Indien unterwegs bin habe ich so extreme Gegensätze wie hier noch nie gesehen. 


Es ist ein ständiger Mix aus super Modern und Mittelalter, aus Sauberkeit und Müllhalde, aus Ruhe und Lärm und aus Reich und Arm… Man findet sehr coole Läden wie Lewis, Subway, Bar B-Q, Fire and Ice etc. zwischen den typischen Mini-Krämerläden, vor dem Postamt kann man sich Briefe und Dokumente auf der Straße mit der Schreibmaschine tippen lassen (2 Häuser weiter gibt es einen hippen Computerladen);



die Männer lassen sich auf dem Bürgersteig rasieren oder man geht doch in den  Profi-Beautysalon für Männer und Frauen. Manche Straßen sind recht ruhig, andere sind so voll dass man kaum weiterkommt. In dem ganzen Rummel findet man die originalen, von Männern gezogenen Rikshaws. 



Vielen Leuten hier sieht man einfach an, dass sie Rupien en masse haben, vielen anderen dass sie nichtmal 10 Rupien besitzen. Ein kleiner Junge stand nackt und voll Seife in einem Brunnen mitten im Getümmel, ein anderer schleckte genüsslich sein Eis. Ich wanderte lange durch die belebten Straßen Kolkata’s, aß allerlei Leckereien von den zahlreichen, sehr geschäftigen Straßenständen und war überaus überrascht, wie viele Leute hier auf der Straße leben. 

 
Im Kino dröhnte vor dem Film Technomusik aus den Lautsprechern und während des Film lief mir eine Ratte über die Füße.  Dennoch überstand ich meinen ersten Tag zurück auf dem Festland erstaunlich gut und relaaaaaaaaaaaaxt.
In Kolkata spürt man den englischen Einfluss noch sehr deutlich. Am Victoria Memorial hatte ich das Gefühl, in England gelandet zu sein, es war nur viel heißer. Die Kirchen sehen sehr europäisch aus und manche Häuser auch.  In einem ruhigen Park vor dem Memorial entdeckte ich so einige turtelnde Pärchen, zu meiner Überraschung waren es nur Inder, die sich in aller Öffentlichkeit umarmten und sogar küssten; es war ein sehr ungewohnter, für Indien untypischer aber auch sehr schöner Anblick. 


Im Planetarium wurde mir der westbengalischen Nachthimmel erklärt, im Mutter Teresa Haus musste ich feststellen, dass sie dort nichts für mich zu tun hatten, doch auf der Straße konnte ich einem zuckersüßen, kleinen Mädchen wenigstens ein bisschen helfen und nebenbei mein Karma verbessern.
Nach 2 Nächten in dieser faszinierenden Stadt der Gegensätze fuhr ich mit dem Nachtzug nach Varanasi. 



Sonntag, 17. April 2011

Andaman Islands


2 Wochen in einer Postkarte... 



Ich flog von Trivandrum an der West- nach Chennai an der Ostküste. Dort verbrachte ich einen Tag und flog früh morgens weiter nach Port Blair, die Hauptstadt der Andaman und Nicobar Islands. Diese befinden sich östlich von Indien, südlich von Myanmar und sind eigentlich schon näher an Thailand als an Indien. Indien kann sich wirklich glücklich schätzen, dass es solche schönen Inseln sein eigen nennen kann. Es wird zwar behauptet, dass die Andamanen „nicht wirklich Inien" seien, aber Port Blair wirkte schon sehr wie jede andere indische Stadt – es gab die gleichen schrottigen Busse, einen Polizisten, der den Verkehr anstelle einer Ampel regelte, gehupe, Tuktuks, Chai-Stände usw. Man spürt auch überall den Einfluss der indischen Regierung. Auf Havelock (das ist die Insel auf der ich 13 Tage verbrachte ) sah die Welt schon viel besser aus. Das Wasser hier ist kristallklar und die weißen Strände sehr sauber. Die Andaman Islands sind ein Taucherparadies und von Havelock  aus kann man Tages-Tauchausflüge machen. 



Die ersten 2 Tage auf der Insel verbrachte ich am „Beach N° 5 im Schatten einer der zahlreichen Palmen da ich noch eine klitzekleine Erkältung auskurieren musste. Da die meisten Leute unter tags beim Tauchen sind, wirkt die Insel wie ausgestorben und man ist fast alleine am Strand (abgesehen von vielen Strandhunden, ein paar Fischern, einigen indischen Honeymoonern und wenigen anderen Urlaubern). 



An sich ist gerade nicht sehr viel los auf der Inseln, in manchen Restaurants die sich in oder zwischen Village N°. 1 und 5 befinden kann man abends sogar alleine und ungestört essen.
Ich lieh mir für die ersten Tage ein Fahrrad, da ich recht weit südlich wohnte und es doch ein ganz schönen Stück war bis ins nächste Dorf, wo es sehr langsames Internet, ein paar Läden und Restaurants gab.
Am dritten Tag zog ich vom Village N° 5 näher ans Village N° 3 ins Barefoot Resort in eine ganz kleine Hütte. 



In diesem Resort befand sich der Tauchshop „Barefoot Scuba“, mit denen ich in den kommenden Tagen mehrere Tauchausflüge und meinen „Advanced Diver“ machte.
Mein erster Tauchausflug führte mich zum „Aquarium“ und „The Wall“. Diese Tauchplätze sind für Open Water Diver geeignet weil sie nicht so tief sind. Das Aquarium ist wirklich toll, durch die vielen kleinen Fische wirkt es wie ein Kindergarten. The Wall ist ein bisschen tiefer und auch sehr schön. Dort sah ich 2 riesige Kraken.
Ich lernte Maggy und Julien, ein sehr liebes deutsches Pärchen aus Deutschland und Padmini, eine Inderin aus Bombay, kennen und verbrachte nach dem Tauchen auch den Abend mit ihnen.
Am zweiten Tag fuhren wir zu „White House Rock“, wo es wunderschöne Korallen gab, und zu einem Wrack, das mich total faszinierte. Auf dem Wrack und in den noch erhaltenen Netzen haben sich ganz viele Korallen, Schwämme, Fische und anderes aquatisches Leben angesiedelt. Es wirkt sehr mystisch und ist einfach faszinierend.
Am dritten Tag machte ich meine ersten Advanced Diver Tauchausflüge: erst Tiefseetauchen und danach ein Navigationstauchgang, beides bei „Johnny’s Gorge“. Ich tauchte das erste Mal bis 28 Meter und es ist noch viel viel schöner als im seichteren Gewässer. Dort unten gibt es viel mehr kleine und ganz große Fische und ich sah 2 riesige Moränen und eine schöne Seeschlange.



Am Abend machte ich einen Nachttauchgang. Es war einfach nur stockdunkel und unangenehm, so „orientierungslos“ zu  tauchen. Ich war sehr froh, als der Tauchgang wieder vorbei war aber ich muss sagen, dass das Plankton, welches wie Millionen von Sternen geleuchtet hat als wir die Lampen komplett ausschalteten, einfach wunderschön war. 



An diesem Tag wurde ich von meinen Freunden getrennt und einem neuen Diveinstuctor zugewiesen. Ich bekam auch einen neuen Buddy, Gil aus Israel, mit dem ich mich sofort super verstand.
Abends fand eine kleine „Party“ im Barefoot statt und ich trank zum ersten Mal seit Monaten ein paar Cuba Libre. Leider musste ich mich schon von Maggy und Julien, dem deutschen Pärchen, verabschieden.



Am vierten Tag waren meine Tauchgänge „Unterwasserfotografie“ und „Fischidentifikation“. Gil und ich teilten uns eine Kamera und machten tollen Bilder von Fischen und Korallen und von uns. Der Tauchplatz heißt „Dixon’s Pinackle“ und ist wohl der schönste Tauchplatz der Andaman Islands. Wir sahen dort u.a. einen großen Schwarm Baracudas. 



Von nun an bin ich Advanced Diver!
Den Abend verbrachte ich noch mit Gil, wir gingen essen und schauten einen Film mit seinen Freunden im Resort nebenan.
Am nächsten Tag nahm ich mir „frei“, da ich mich wieder ein bisschen erkältet hatte. Ich hatte vor, mir einen der schönsten Strände der Welt, den „Radha Nagar Beach“ oder „Beach N°7“, anzuschauen. Ich schaffte es aber gerade mal ins Village N°3 zum Frühstücken und um Sonnencreme zu kaufen. Als ich die Creme einwirken lassen wollte, schlief ich ein und wachte erst um kurz nach 4 wieder auf. Da es zu spät war noch irgendwohin zu fahren ging ich mit Padmini Essen und auf eine Strandparty – zwar ohne Musik aber mit großem Feuer, netten Leuten und viel Whiskey und Coke. 



Mein fünfter Tauchtag führte mich wieder zu Dixon’s und wir sahen 2 Haie! Viel faszinierender als die Haie war allerdings ein gigantischer, monströser Triggerfisch der mindestend 2 ½ Meter lang war. Sogar die zwei Tauchlehrer an Bord sagten, dass sie noch nie einen so riesigen Triggerfisch gesehen haben! Zwischen den zwei Tauchgängen sahen wir eine grüne Meeresschildkröte und es tauchte ein Polizeiboot auf. Es fing an uns zu umkreisen und während einer der Beamten über Funk ganz merkwürdige Fragen stellte machten die restlichen Besatzungsmitglieder Fotos von uns und sie beobachteten uns mit Ferngläsern. Ich fühlte mich sehr unwohl, vor allem weil die Befragung so überhaupt keinen Sinn machte. Sie wollten unbedingt unsere Tauchscheine sehen und wissen, woher wir kommen und warum wir keinen indischen Tauchlehrer dabei haben. Am Ende checkten sie weder die Tauchscheine noch erwähnten sie das Fehlen des indischen Tauchlehrers nochmal und ließen uns weiter tauchen. Sie hatten ja was sie wollten: haufenweise Fotos von westlichen Touristinnen in Bikinis… ich erwähnte ja bereits: die Andamanen sind nur zum Teil „nicht wirklich Indien“. Padmini verließ mich an diesem Tag leider auch aber ich traf die ganzen Leute von der Strandparty in meinem Lieblingsrestaurant. 



Der sechste Tag auf (bzw unter) See war wieder bei Johnny’s Gorge und der siebte bei South Button. 



Ich bekam wieder einen neuen Buddy, Rajif auf Philadelphia, und er hatte eine Unterwasserkamera. Somit bekam ich nochmal die Gelegenheit, meine Unterwasserfotografiekenntnisse  anzuwenden.
Der erste Tauchgang direkt neben der Insel war nicht so schön, sehr seichtes Wasser und vor allem viele tote Korallen, aber der zweite Tauchgang ein bisschen tiefer war wunderbar und wir sahen nochmal eine Schildkröte.



Abends traf ich mich mit Rajif, wir aßen zusammen und  tauschten die Fotos aus.
Am folgenden Tag schaffte ich es endlich zum berühmt berüchtigten „Beach N° 7“. Es ist ein sehr schöner Strand, sehr ruhig und für indische Verhältnisse wirklich super sauber aber es gab fast gar keinen Schatten und kaum Palmen. Ich finde zu einem Strand gehören Palmen. Für mich ist es definitiv nicht der schönste Strand der Welt, ich fand sogar den am Beach N° 5 besser aber darüber lässt sich streiten. Am besten einfach mal selbst anschauen, vergleichen und urteilen! 



Abends fand irgendein Fest im Village statt und ich fraß mich durch die Essensstände. Eigentlich gab es nicht so viel verschiedenes, nur Eiernudeln, Eierrolle, frittiertes Salziges und Süßes und Biryani. Es gab auch ein paar wenige Stände, an denen es eigentlich das gleiche gab wie in den Läden im Village aber es war ganz schön was los - die ganze Insel war scheinbar auf dem Fest.
Mein achter und letzter Tauchtag war wieder bei Johnny’s. An diesem Tag hat sich wohl jeder entschlossen, dort zu tauchen. Es waren 5 volle Boote (inkl. unserem) dort und unter Wasser war es wie auf dem Dorffest am Vorabend. Daher entschlossen wir, beim zweiten Tauchgang zu „Minerva“ zu fahren. Es war ein seichter Tauchgang aber ich fand es dort sehr schön. 



Nach meinem 17. (!!!!) Tauchgang auf den Andamanen verließ ich Havelock schweren Herzens und nahm die letzte Fähre zurück nach Port Blair. 



Dort fand ich nach einer kleinen „Meinungsverschiedenheit“ mit einem Hotelbesitzer, der unbedingt ein Foto von mir haben wollte für die Registrierung (weil die Vorschriften angeblich von der Regierung am Vortag geändert wurden) ein „nettes“ Hotel und der Junge von der Rezeption hatte angeblich Geburtstag und lud mich auf ein Bier und Chips ein. In meinem Zimmer tötete ich insgesamt 3 riesige Kakerlaken, schlief aber trotzdem wie ein Baby.
Ich verließ die Andamanen mit der Befürchtung, dass ich das indische Festland wohl jetzt noch viel weniger mag als vorher schon. Und mit dieser Befürchtung flog ich in die zweitgrößte Stadt Indiens: Kolkata. 



Ashram Life


Sivananda Yoga Vedanta Dhanwanthari Ashram
Neyyar Dam



„Om Namah Sivaaya“
Ich glaube, ich muss erstmal kurz erklären, was ein Ashram überhaupt ist. Grundsätzlich ist ein Ashram ein indisches Kloster. Das Sivananda Ashram wurde von Swami Vishnu-Devananda (dem „Guru“) zu Ehren seines Gurus, dem heiliggesprochenen Swami Sivananda gegründet. Das Ashram ist ein Ort des Friedens und Unterschlupf vor dem Druck des weltlichen Lebens. Es bietet einen sicheren Platz für persönliches „zu sich selbst finden“ und für spirituelle Ideale.
Leute aus aller Welt kommen hier her, um alle Aspekte und die Disziplin des ursprünglichen, indischen Yoga kennen zu lernen. 



Der Ashram wird hauptsächlich auf Freiwilligenbasis geleitet, alle Mitarbeiter arbeiten hier umsonst als Teil ihrer spirituellen Übung.
Es gibt ganz strikte Regeln zu befolgen, u.a.:
·         Karma Yoga (meine Karma Yoga Aufgabe war der Teeservice)
·         Stillschweigen beim Essen, vor dem Morgen- und nach dem Abendsatsang und keine Handys
·         Der Konsum von Alkohol, Drogen aller Art, Fleisch, Fisch, Eiern, Knoblauch und Zwiebeln ist verboten
·         Nur die rechte Hand darf zum Essen und zur Entgegennahme von gesegneten Gaben genutzt werden (für mich als Linkshänder natürlich besonders schwer)
·         Liebesbeweise wie Umarmungen, Küssen oder (Brahman bewahre) Sex sind nicht gestattet. Männer und Frauen sind in getrennten Mehrbettzimmern untergebracht.
·         Die Schultern, Oberkörper und Beine sind grundsätzlich immer zu bedecken (auch beim Schwimmen im See)
·         Der Ashram kann am Freitag ganztägig nach dem Morgen- und vor dem Abendsatsang verlassen werden, ansonsten nur mit Genehmigung.

Das Ashram verfügt über W-Lan und Internetcafé (obwohl das Internet meistens eh nicht funktioniert), eine Boutique, in der es alles gibt, was man so braucht (von Zahnbürste und Toilettenpapier über Bücher der Gurus und Chanting-CD’s zu T-Shirts , Meditationskissen, Yogamatten  und gesunden Snacks), eine „Health Hut (in der es leckere Fruchtsäfte, Shakes, Obstsalate und Toast gibt), Wäscheservice, eine Bibliothek und ein ayurvedisches Zentrum mit Doktor. Es gibt also eigentlich keinen Grund, den Ashram zu verlassen.

Der Tagesablauft ist wie folgt:
5:20 Aufstehen                                 6:00 Satsang (Meditation, Chanting etc)              7:30 Tee
8:00 Asanas (Yoga)                         10:00 Frühstück                                                    11:00 Karma Yoga
12:30 optionales Choaching           13:30 Tee                                                                14:00 Unterricht
15:30 Asanas (Yoga)                       18:00 Abendessen                                                  20:00 Satsang
22:30 Lichter aus

Dieser Ablauf ist von jedem Gast zu befolgen.
Das frühe Aufstehen hat mir am Anfang am wenigsten Gefallen. Mir als Langschläfer viel es unheimlich schwer, so früh und vor dem Morgengrauen aufzustehen. Der Satsang begann täglich mit einer Gruppenmeditation von 20 bis 30 Minuten und ich stellte fest, dass ich dazu einfach nicht in der Lage bin. Mir sind nach spätestens 15 Minuten im Schneidersitz (in den Lotussitz bin ich nichtmal annähernd gekommen) die Füße eingeschlafen. Auf ein Mantra (zB Om oder Om Namo Narayanaya etc) konnte ich mich auch nicht lange konzentrieren. Nach ein paar Tagen gab ich auf und schaute eigentlich nur blöd in der Gegend rum und versuchte, nicht einzuschlafen. Danach wurde ein “Chant“ gesungen, der eine gefühlte Ewigkeit dauerte. Chants werden in Sanskrit gesungen, sind heilige Texte und würden bei Übersetzung ihre Kraft verlieren. Das heißt, ich hatte keine Ahnung, was ich da eigentlich singe. 



Mein Lieblingsteil in diesem täglichen Chant war:
„Krishnam Vande Jagad Gurum
Shree Krishnam Vande Jagad Gurum

Anandoham Anandoham Anandam Brahm Anandam
I am bliss, I am bliss, bliss absolute, bliss I am“

Ich glaube mir hat es nur deshalb so  gut gefallen, weil es eine der letzten Strophen war..
Danach wurden noch ein paar mehr Lieder gechantet.
Mir hat ein Chant zu Ehren von Ganesha ganz gut gefallen:

Jaya Ganesha Jaya Ganesha Jaya Ganesha Deva
Maata Tumi Paarvati Pita Mahaadeva
Om Namah Sivaaya (4x)

Grundsätzlich hat mir das ganze gechante aber nicht sehr gut gefallen.
Danach gab es meistens eine Lesung aus einem der vielen Bücher der beiden Gurus.
Das Satsang fällt allerdings unter die Kategorie „Bakti Yoga“
Einmal in der Woche wurde der Satsang morgens und einmal abends aus der Shivahalle im Ashram an den See verlegt. Der Weg dahin war ein Meditationslauf, bei dem man nicht reden durfte. 



Ich stellte fest, dass mir der Meditationslauf viel besser gelang als das Meditieren im Sitzen. An einem Morgen standen wir noch früher auf als sonst und liefen eine Stunde einen Berg rauf. Ich lief völlig konzentriert und in Meditation und hatte keinerlei Probleme, diesen Berg zu erklimmen. Ich glaube, der Sonnenaufgang an diesem Morgen war für mich das schönste Erlebnis während meines ganzen Aufenthalts im Ashram.



An einem Morgen wurde eine Zeremonie zu Ehren von Ganesha gefeiert, wir konnten ein Feueropfer  machen und bekamen ein Bindu in schwarz rot und gelb auf die Stirn.

Nach dem Satsang gab es Tee. Der Teeservice war mein Karma Yoga.
Karma Yoga bedeutet eine „uneigennützige Tat“. Zur Erläuterung wurde uns eine ganz nette Geschichte erzählt, die „Chapati Geschichte“:
Eine Frau wohnte mit ihrem Sohn am Rande eines kleinen Dorfes, welches 10 Meilen von der nächsten größeren Stadt entfernt war. Ihr Sohn ging jeden Tag früh morgens in diese Stadt zum Arbeiten und die Mutter kümmerte sich um den Haushalt und Garten. Jeden Tag machte sie die besten Chapatis (indische Teigfladen, normalerweise als Beilage gegessen) für sich und ihren Sohn. Eines Tages sah sie einen alten, ausgemergelten Mann an ihrem Haus vorbei gehen. Sie entschied, ein paar mehr Chapatis zu machen und gab dem Mann diese. Er nahm sie und ging des Weges. Von nun an machte sie jeden Tag ein paar Chapatis mehr und gab sie dem alten Mann. Er nahm sie jeden Tag ohne Dank.
Nach einiger Zeit ärgerte sich die Mutter, dass der Mann sich nie bei ihr bedankte und entschied, sich zu rächen. Sie bereitete wieder ein paar Chapatis mehr für den Mann zu und mischte ein bisschen Gift darunter. Kurz bevor der Mann kam, entschied sie jedoch, ihm die vergifteten Chapatis nicht zu geben und machte schnell ein paar frische.
An diesem Abend kam ihr Sohn nicht nach Hause. Auch am nächsten Morgen war von ihm nichts zu sehen. Die Mutter kam fast um vor Sorge. Spät am Abend kam ihr Sohn nach Hause gehumpelt. Sie freute sich sehr, ihren einzigen Sohn wieder in die Arme schließen zu können. Sie sagte ihm, dass sie sich Sorgen gemacht hatte und schalt ihn, weil er nicht nach Hause gekommen war. Er erzählte, dass er sich auf dem Weg verletzt hatte und nicht mehr laufen konnte. Er lag die ganze Nacht neben der Straße und wurde vor Hunger und Schmerzen immer kraftloser. Am Morgen kam ein alter Mann den Weg entlang und gab ihm ein paar Chapatis, die genauso gut schmeckten wie die seiner Mutter. Diese Chapatis stärkten ihn soweit, dass er den langen Weg nach Hause bestreiten konnte. Die Mutter war zutiefst erschüttert, denn sie dachte, wenn sie dem Mann die vergifteten Chapatis gegeben hätte, wäre ihr Sohn jetzt nicht mehr am Leben.

Es gab die verschiedensten Karma-Yoga aufgaben, wie Essensausgabe, Mithilfe in der Health Hut und der Boutique, Zimmer und Toiletten sauber machen, Mülleimer leeren etc… Für jeden wurde eine Aufgabe gefunden. Wenn man sein Karma so richtig aufpolieren wollte, konnte man zu seiner Aufgabe noch ein optionales Karma-Yogas wie Essenshalle säubern oder Holz stapeln machen. 



Nach dem Tee wurden zwei Stunden Asanas geübt. Auf diesen Teil des Programms freute ich mich am meisten. Asanas sind Yogastellungen wie Kopf- und Schulterstand, Fischposition, Kobra, Heuschrecke, Dreieck, Bogen etc.
Die meisten Asanas kannte ich bereits, konnte sie jedoch nie richtig. Mein Ziel war es, am Ende der 2 Wochen den Kopfstand zu können. Ich schaffte ihn bereits nach 3 Tagen alleine. 



Außerdem „perfektionierte“ ich die Krähe und den Schulterstand. Die zwei Stunden vergingen immer wie im Flug. Der Kurs wurde unterteilt in Anfänger, Fortgeschritten und nachmittags optional „sanftes“ Yoga.



Danach gab es „Frühstück“ bzw Brunch. Das Essen wurde in der Essenhalle auf dem Boden mit den Händen gegessen. Ich musste erstmal lernen, mit der rechten Hand zu essen. Es gab typisch keralische Gerichte  bestehend aus Reis, Dahl, Kürbis und Okra, Roote Beete, Karotten und Gurken, Bohnen, Chapati usw. Das Essen war an sich nicht schlecht, wurde aber mit der Zeit recht langweilig da es nicht wirklich abwechslungsreich und auch nicht sehr würzig war.



Am Anfang hielt ich mich strickt an die Essensvorschriften und aß keinerlei Snacks zwischendurch. Nach ein paar Tagen hatte ich aber so einen Hunger, dass ich regelmäßiger Gast in der Health Hut wurde. Die Health Hut war sowieso DER Treffpunkt im Ashram. 

Nach dem Essen hatte ich meistens Freizeit, bis zu meiner Karma-Yoga-Aufgabe, dem Teeservice am Nachmittag. Manchmal half ich jedoch beim Holzstapeln oder beim Essenshalle putzen.

Um 2 Uhr hatten wir Unterricht und lernten alles Wissenswerte über Yoga. Yoga besteht aus vier Teilen: 
·         Karma Yoga (Hände)        = uneigennützige Tat
·         Bakti Yoga (Herz)            = Anbetung/Hingabe, Religion und Gebete
·         Raja Yoga (Geist)             = Meditation, Stärkung des Geistes, Asanas
·         Yana Yoga (Intellekt)        = Selbstfindung, Wissen

Somit gehört der Unterricht zum Yana Yoga.

Nach dem Unterricht gab es den zweiten Asana-Kurs des Tages und danach Abendessen.  Das Abendessen war meistens nicht besonders gut, weswegen danach die Health Hut aus allen Nähten platzte.

Der Abendsatsang war eigentlich wie der am Morgen, nur dass es einmal die Woche eine Talentshow gab, bei der ich mit ein paar Deutschen auch einmal auftrat. Wir gaben „Mein Kleiner Grüner Kaktus“ zum Besten. An einem Abend trat eine indische Band auf (ich fand die Musik aber ganz schrecklich) und einmal wurden die TTC (Teacher Training Course) Teilnehmer vorgestellt. Diese Veranstaltungen dauerten immer besonders lange und alle wollten eigentlich einfach nur ins Bett.
Nach dem Satsang war es nie wirklich ruhig, die Leute plauderten noch eine Weile, bevor es hieß: LICHT AUS!
Am 19. Mai war Vollmond und der Mond war der Erde so nahe wie seit 18 Jahren nicht mehr. Eine „Priesterin“, die zu der Zeit im Ashram war, machte an diesem Abend eine „Session“, bei der ich teilnahm. Es ist schwer zu beschreiben und zu erklären, worum es eigentlich ging. Kurz und knapp: die Dame ist eine Priesterin um uns zu helfen, unsere Bestimmung zu finden.  Ihre Bestimmung ist es, uns auf den richtigen Weg, also den Weg nach Hause, zu bringen. Wir wurden nämlich vor hunderten von Jahren aus dem All auf diesen Planeten gebracht und jeder hatte eine ganz bestimmte Aufgabe. Diese Aufgabe haben wir aber im Laufe unserer Leben vergessen.
Nun ja, an diesem bestimmten Abend war die Kraft des  Mondes wohl besonders stark und sie nutze die Gelegenheit, uns zu „öffnen“ und irgendwelche Seelen, die noch auf der Erde wandeln (Engel und Orgs oder so) sollten uns auf einer anderen Ebene eine Nachricht zukommen lassen. Man kann jetzt darüber streiten, ob die Dame einfach total irre war oder ob sie recht hat. Ich möchte darüber nicht entscheiden, denn eine Antwort, was richtig und was Schwachsinn ist hab ich nämlich auch nicht.
Nur so viel: ich habe an diesem Abend eine Nachricht erhalten, sie hatte aber nichts mit meiner Aufgabe auf diesem Planeten o.ä. zu tun. Zu ihren weiteren „Sessions“ bin ich aber trotzdem nicht gegangen.

Zu meiner Überraschung war das die einzige, etwas „merkwürdige“ Person im Ashram. Die meisten Leute waren wirklich sehr bodenständig und wie du und ich. Insgesamt waren ca. 70 Leute zur „Yoga Vacation“ wie ich und ca. 150 TTC’ler da. Die Leute kamen aus Allerwelt wie zB Japan/Südostasien, Kanada, USA, Argentinien, Holland, Schweden, Südafrika, Australien, Schweiz aber hauptsächlich aus Deutschland und Indien. Ich lernte ganz viele sehr nette Leute kennen und wir nutzten die wenige freie Zeit zusammen zum Reden, gingen in die Health Hut oder an den See. 



In meiner Zeit im Ashram wurde auch „Holi“, das Fest der Farben, gefeiert. Wir trafen uns alle am See und bewarfen uns mit pinker, blauer, lilaner und grüner Farbe. Dazu wurde ausgelassen getanzt und wir hatten eine Menge Spaß. Uns wurde gesagt, dass wir die Farbe im See auswaschen könnten, sie ging aber nicht mehr richtig ab und ich habe heute noch eine pinke Haarsträhne. Ich hatte ja schon fast die Hoffnung aufgegeben, dass man in Indien irgendwie richtig Spaß haben kann, aber das Holi war  schon sehr geil und eine willkommene Abwechslung im Ashram-Alltagstrott. 



Ich muss zugeben, dass mir das alles (vor allem das Chanten und das Essen, aber sogar teilweise das Yoga) am neunten Tag zu blöd wurde. 10 Tage hätten mir also vollkommen gereicht, ich saß aber meine 14 Tage komplett ab, ich ließ insgesamt nur 3 Mal Yoga und 3 Mal den Satsang ausfallen.
Das Essen hab ich nur ein Mal verpasst, nämlich am freien Freitag, als ich mit Maria und Michaela in die nächstgrößere Stadt gefahren bin um ein paar Schlemmereien einzukaufen.

Rückblickend muss ich sagen, dass ich um eine großartige Erfahrung reicher bin, ich bin definitiv an meine körperlichen und vor allem spirituellen Grenzen gestoßen, habe viel über mich selbst und vor allem über Yoga und Hinduismus gelernt und tolle neue Freunde gefunden.
Ich fühle mich sehr ausgeglichen, relaxt, sehr gesund und müde.

Wow, das war jetzt wohl einer meiner längsten, lehrreichsten und laaaaaaaangweiligsten Einträge, entschuldigt vielmals, aber das muss auch mal sein ;)
Jetzt freue ich mich erstmal auf zwei Wochen schlafen, tauchen und Beachlife auf den  
Andaman Islands…
„Om Tat Sat!“



Goa


Wieder allein –




Nachdem mich Julchen und Michi nach 2 tollen Wochen in Kerala verlassen haben war ich wieder allein allein (davor war’s schöner allein zu sein).Vielen Dank Julchen für den tollen Gastkommentar!!
Ich wollte sofort weiter nach Goa, genauer gesagt nach Palolem.
Leider bekam ich kein gutes Zugticket mehr und daher musste ich mit der Holzklasse (auch „General Department“ genannt) vorlieb nehmen. Das Zugticket war extrem günstig, das war aber auch das einzig Gute an der Fahrt, die 14 Stunden dauerte. Am Bahnsteig sprach mich ein Inder, dessen Name Felix ist, an und versprach, mir ein wenig in dem Wirrwarr behilflich zu sein, da wir sowieso den gleichen Zug nehmen würden. Er verschaffte mir einen Sitzplatz am Fenster, was sehr gut war und hielt mir allzu schräge Gestalten vom Hals. Im Zug war es brütend heiß, mir lief der Schweiß in Sturzbächen am Körper entlang und nach kürzester Zeit war ich total durchnässt.
Das Abteil wurde von Stopp zu Stopp voller und voller, die Menschen stapelten sich fast. Ich versuchte mich mit Lesen vom Gestank der Zugtoilette, die direkt neben mir zu sein schien, und den Menschenmassen, die mich anstarrten, abzulenken. Nach kürzester Zeit wusste ich nicht mehr wie ich sitzen sollte, es war so eng, dass ich mich kaum bewegen, geschweige denn aufstehen, konnte.
Nach 8 Stunden musste Felix aussteigen und ich fing eine hitzige Diskussion über Indien mit einem netten Inder, der neben mich aufrückte, an. Ich war sowieso schon die Attraktion im Zug, aber von nun an gehörte mir jedermanns ungeteilte Aufmerksamkeit und immer wieder lieferte jemand seinen Kommentar zu unserer Diskussion ab. Ich fand es recht unterhaltsam. Immer wieder musste ich Essen, Wasserflaschen oder Kaffee, der vor dem Fenster verkauft wurde, hinein- und Geld hinausreichen. Ich selbst aß die ganze Fahrt nichts, aber ich trank recht viel und musste merkwürdiger Weise nicht einmal in insgesamt 16 Stunden auf die Toilette. Das war auch besser so, sonst wäre mein Platz weg gewesen. Irgendwann wurde es leise im Abteil und die Leute suchten eine bequeme Stellung zum Schlafen, was gar nicht so einfach war. Manche legten sich auch einfach in den Gang auf den Boden. Der eckelhafte Inder mir gegenüber bot mir an, meine Füße neben ihn zu legen und er legte seine neben mich. Da blieben sie aber nicht, er versuchte immer wieder seine Füße unter meinen Po zu schieben und nebenbei betatschte er meine Füße neben sich.  Ich entzog ihm immer wieder meine Füße und rutschte hin und her um seine Füße unter meinem Po loszuwerden. Irgendwann wurde es mir zu blöd und ich schrie ihn an, er soll das gefälligst lassen. Er schaute mich wie ein Unschuldslamm an und ich schrie, er wisse ganz genau was er gemacht hätte und er solle das bleiben lassen, was er dann auch tat, denn das ganze Abteil wachte von meinem Gezeter auf und schaute ihn wütend an, manche ließen auch einen Kommentar dazu los. Als ich um 4 Uhr morgens aussteigen musste war kein Durchkommen für mich, da alle kreuz und quer im Abteil rumlagen. Also blieb mir nichts anderes übrig, als aus dem Fenster zu klettern. Ich war unheimlich froh, endlich aus diesem Kuhtransport aussteigen zu können.
Ich fuhr mit einem Taxi von Madgoan weiter nach Palolem und fand sogar so früh morgens eine Unterkunft im Flavia’s Paradise in einer Cocohut fast direkt am Strand. 

Nach diesem Tag wollte ich nur eine Dusche und schlafen.
Als ich ausgeschlafen war machte ich mich auf die Suche nach einem Yogakurs und einem leckeren Frühstück. Ich fand beides und verbrachte den restlichen Tag am Strand, den ich die nächsten 4 Tage nicht verließ. Der Strand ist gesäumt von Cocohut-Anlagen, Restaurants und kleinen Läden. Am ersten Abend unterhielt  ich mit einem sehr netten Kellner, Shaikh, der ein sehr gutes und verständliches Englisch spricht, und ich verbrachte die meiste Zeit des Tages bei ihm im Restaurant, machte es mir auf den Sandsäcken oder auf einer Strandliege bequem und redet ab und zu mit Shaikh wenn er Zeit hatte. An einem Abend gingen wir zusammen auf eine „Silent Party“, auf der wir auch 2 Jungs trafen, die ich vorher beim Yoga kennen gelernt hatte. Auf der Party bekamen wir einen Kopfhörer mit 2 Kanälen, auf denen überraschend gute Musik kam, und tanzten ausgelassen. Die Kopfhörer vermitteln ein Gefühl von Privatsphäre und ich hatte das Gefühl, dass wir uns alle mehr gehen lassen konnten als auf „normalen“ Partys. Einer der DJ’s war allerdings aus Australien.  Am lustigsten war es, wenn man die Kopfhörer abnahm und den anderen beim Tanzen zusah.
Zum Aufreißen oder aufgerissen werden taugen diese Partys allerdings weniger, was mir aber sehr recht war.  Ich wollte einfach nur tanzen und weder von einem der betrunken Inder noch von einem der sturzbetrunkenen Touris angemacht werden.  
Ich blieb bis zum Schluss und ging im Morgengrauen nach Hause.
Ich besuchte täglich eine Outdoor Yogastunde unter Palmen und ging sogar einmal am Strand joggen. 



So verbrachte ich die Tage an Goa’s Strand mit Lesen, Party, Yoga und relaxen. Ich verließ an 2 Abenden den Strand und schaute mir ein wenig die übersichtliche Stadt an. Das Essen dort war gut und  etwas günstiger als am Strand und es gab grundsätzlich alles, was ein Touristenherz begehrt.
Nach 6 Tagen musste ich leider schon wieder aufbrechen. 



Ich fuhr mit einem Nachtbus von Canacona nach Mangalore, verbrachte dort den Tag mehr oder weniger im Hotel und fuhr dann mit einem Nachtzug (diesmal in einem Schlafwagen) weiter nach Trivandrum und von dort in das Ashram am Neyyar Dam.